Am Mittwoch ist er in Eschwege

Hubertus Meyer-Burckhardt im Interview: „Ich mache nur Unterhaltung“

Eine seiner letzten Lesungen von „Die kleine Geschichte einer großen Liebe“: Hubertus Meyer-Burckhardt ist Mittwochabend im Alten E-Werk in Eschwege zu sehen. Foto: privat

Eschwege. Er ist ein mediales Multitalent, das seit über 30 Jahren im Geschäft ist. Im Laufe seiner Karriere hat er vier Grimme-Preise, hauptsächlich für seine Arbeit im Hintergrund, gewonnen.

 Deutschlandweit bekannt wurde Hubertus Meyer-Burckhardt durch die „NDR-Talkshow“. Am Mittwoch kommt er in das E-Werk nach Eschwege, wo er aus seinem Buch „Die kleine Geschichte einer großen Liebe“ lesen wird. Wir sprachen mit ihm über Verliebtsein im Alter, Bodenständigkeit und wie es ist, Werbeträger einer Region zu sein.

Herr Meyer-Burckhardt, Sie sind selbst prominent und immer wieder von Stars und Sternchen umgeben. Wie schwer fällt es Ihnen, bodenständig zu bleiben?

Hubertus Meyer-Burckhardt: Es darf nicht schwerfallen, bodenständig zu sein. Wenn man sich bemühen muss, hat man die Bodenständigkeit schon verloren. Man muss sich bewusst sein: Ich operiere nicht, ich rette keine Kinder aus brennenden Häusern, ich mache nur Unterhaltung. Nach 30 Jahren im Geschäft kann ich das relativieren.

Wo kommen Sie zur Ruhe?

Meyer-Burckhardt: Eigentlich überhaupt nicht. Weil die Arbeit mir Vergnügen bereitet. Abschalten kann ich aber in der ersten Klasse eines ICE oder auf Langstreckenflügen. Gelegentlich ziehe ich mich für vier oder fünf Tage in ein Hotel zurück, um aufzutanken.

Ruhe gibt es in Ihrer Heimat Nordhessen zuhauf. Ein Manko?

Meyer-Burckhardt: Nordhessen ist meine Heimat. Ich bin ein Verfechter der wundervollen Landschaft. Allerdings hat der Werra-Meißner-Kreis Nachholbedarf, sich aufzurappeln. Ich vermisse Entschlussfreudigkeit und Aufbruchstimmung. Man hat hier das Gefühl, man genügt sich selbst. Kassel ist einen erheblichen Schritt weiter. Hier herrscht Dynamik, man hat den Anschluss gefunden.

Sie sind das Gesicht der Imagekampagne des Kreises „In der Mitte von“. Haben Sie keine Angst, als provinziell abgestempelt zu werden?

Meyer-Burckhardt: Ich mache mir keine Gedanken mehr über Abstempelungen. Ich mag die Region und schwärme jedem Hamburger oder Berliner vor, dass es sich lohnt, mal nach Nordhessen zu reisen und sich umzuschauen.

Mittwoch gastieren Sie mit ihrem zweiten Buch „Die kleine Geschichte einer großen Liebe“ in Eschwege. Bleibt da auch Zeit für einen Heimatbesuch?

Meyer-Burckhardt: Wahrscheinlich nicht. Ich bleibe nicht über Nacht, sondern komme tagsüber aus Hamburg an und reise abends noch weiter.

Worauf dürfen sich die Zuhörer am Mittwochabend freuen?

Meyer-Burckhardt: Es ist eine der letzten Lesungen aus meinem Buch. Es ist eine romantische Liebesgeschichte von zwei Menschen über 50, die vorsichtig geworden sind, wenn es um die Liebe geht. Die Zuschauer erwarten Unterhaltung über die normale Lesung hinaus.

Sie haben das Verliebtsein über 50 selbst erlebt. Fühlt es sich anders an als das Verliebtsein mit 20 oder 30?

Meyer-Burckhardt: Ich habe mich früher nie schnell verliebt. Frauen waren erotisch oder sexy. Jetzt werde ich bald 60. Da bekommt das Verlieben eine neue Qualität, weil man es in Relation zur verbleibenden Lebenszeit setzen muss. Je älter man wird, desto seltener wird man sich noch verlieben. Die Kostbarkeit der Zeit ist eine bittere Pille.

Wie viel Autobiografisches wird dem Leser in Ihrem Buch geboten? 

Meyer-Burckhardt: Ich glaube, man schreibt immer ein bisschen über sich selbst, auch wenn man es nicht zugeben möchte. Das, was meinem Protagonisten Simon in dem Buch widerfahren ist, ist mir nicht passiert. Dennoch habe ich viele Versatzstücke aus meinem Leben eingearbeitet.

• Hubertus Meyer-Burckhardt, „Die kleine Geschichte einer großen Liebe“, Mittwoch, 19 Uhr, E-Werk Eschwege. Tickets gibt es im Internet unter www.kultur-eschwege.de

Zur Person

Hubertus Meyer-Burckhardt ist 59 Jahre alt und wurde in Kassel geboren, wo er die ersten 19 Jahre seines Lebens verbrachte. Er ist Fernsehproduzent, Moderator, Journalist, Manager in der Medienbranche sowie Schriftsteller gleichermaßen. Er hat für „Das Urteil“ und „Sowieso – Die Sonntagsshow“ insgesamt vier Grimme-Preise gewonnen. Außerdem war er für den Emmy nominiert. 2002 erhielt er die Ehrennadel der Stadt Kassel. Einer breiten Öffentlichkeit ist er besonders durch die Moderation der „NDR-Talkshow“ bekannt. Von 1994 bis 2001 moderierte er zusammen mit Alida Gundlach, seit 2008 mit Barbara Schöneberger. Meyer-Burckhardt ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Von Tobias Stück

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