Rührende Tierliebe

Familie aus Walburg hat für ihre gelähmten Hunde Rollstühle gebaut

Walburg. Vom Vorbesitzer überfahren, auf einer viel befahrenen Straße ausgesetzt oder aus dem Fenster geworfen: Das sind die Schicksale von Czarus, Gismo und Iti. Was die drei Mischlingsrüden durchleiden mussten, hat Spuren hinterlassen: Alle drei sind querschnittsgelähmt. Doch sie können wieder laufen.

Bei Bruno und Ines Gülle haben sie ein neues Zuhause gefunden und die Möglichkeit bekommen, wie ganz normale Hunde zu leben – mit Hilfe kleiner Rollstühle.

Alurohre und die Räder von alten Kinderwagen: Daraus hat Bruno Gülle die Rollstühle für seine Hunde gebaut. Der gelähmte Körperteil hängt in einer Vorrichtung, die Kraft kommt nur aus den Vorderbeinen.

Der 13-Jährige Czarus war der erste Hund, den das Ehepaar aus Walburg aufnahm. Ines Gülle hat ihn auf einer Tierschutzseite im Internet entdeckt. Sein polnischer Vorbesitzer hat Czarus angebunden und absichtlich überfahren. Laufen konnte der damals einjährige Rüde danach nicht mehr. Er kam zu den Gülles, einen kleinen Rollstuhl im Gepäck, aus dem er schnell herauswuchs. Also baute ihm Bruno Gülle einen neuen.

Für den zwölfjährigen Gismo, der in Spanien ausgesetzt und angefahren wurde, baute Bruno Gülle ebenfalls einen Rollstuhl. Auch Iti, ursprünglich als Pflegehund aufgenommen, sollte einen bekommen. Doch der sechsjährige Rüde zog seinen mitgebrachten und eigentlich viel zu schweren Hunderolli vor. Zu Fremden ist Iti nicht sonderlich freundlich, sagt Ines Gülle. Kein Wunder: Als Welpe wurde er aus dem zweiten Stock geworfen. Ein Bein musste amputiert werden.

Die Gülles sagen, sie wussten, dass  behinderte Tiere arbeitsintensiver sind als gesunde. Im Haus tragen die Hunde eine Windel, da sie unter einer Überlaufblase leiden. Sie können ihr kleines Geschäft kaum kontrollieren. Dennoch haben die Gülles gezielt nach Hunden mit Lähmung gesucht und neben Czarus, Gismo und Iti immer wieder Pflegehunde aufgenommen, die kaum oder gar nicht laufen konnten. „Das sind Hunde, die sonst keine Chance haben, weil sie keiner will“, sagt Ines Gülle. Mit viel Geduld und guten Ideen – Bruno befestigte an einem Rollstuhl Gummibänder, damit die Füße nach vorn gezogen werden – lernte eine Pflegehündin sogar wieder laufen.

Die Gülles retten aber nicht nur vom Schicksal gebeutelte Hunde: Ihre Küche teilen sie zurzeit mit einem Huhn, das an einer Bronchitis leidet. Es hat kaum Abwehrkräfte, sagt Ines Gülle, denn es stammt – wie neun weitere Artgenossen – aus einem Legebetrieb. Die Gülles haben die Hühner vor dem Schlachter gerettet, als ihre Legeleistung nachließ. Zudem leben zehn Zwergkaninchen, vier Katzen und eine Bartagame bei dem Ehepaar.

Zweimal täglich geht Bruno Gülle mit seinen drei Hunden Gassi. Viele Leute hätten ihn schon angesprochen. Die meisten fänden, dass die Rollstühle „eine gute Sache“ seien, sagt er. Es gebe aber immer wieder welche, die sagen, die Hunde würden sich quälen und sollten eingeschläfert werden. „Aber es gibt keinen Grund“, sagt Ines Gülle. „Die Hunde haben keine Schmerzen und so viel Lebenswillen wie jedes andere Tier auch.“

Iti spiele immer mal mit einem Tennisball, alle drei knabbern gern an frischem Gras, Gismo buddelt mit Vorliebe in Mauselöchern. Für die Gülles sind die drei ganz normale Hunde – nur nicht auf vier, sondern eben nur auf zwei Pfoten.

Aus Alustangen und Kinderwagenrädern 

Die Rollstühle für ihre Hunde haben Bruno und Ines Gülle nach dem Vorbild des Modells gebaut, das ihr erster Hund Czarus dabei hatte. Mit Hilfe von Aluminiumrohren, die er auf die richtige Größe bog, hat Bruno Gülle ein Gestell entwickelt, in das die Hinterbeine der Hunde eingehängt werden können und das Rückgrat gestützt wird. Seine Frau hat die Stangen mit zur Arbeit genommen, ihre Kollegen haben die Teile für sie aneinandergeschweißt. Mit einem Gurt wird das Gestänge vor die Brust der Hunde gehängt.

Die Räder für die kleinen „Karren“, wie die Gülles die fahrbaren Untersätze ihrer Hunde nennen, stammen von alten Kinderwagen vom Sperrmüll. Die Hunde brauchen in der Regel ein wenig, um sich an die Rollstühle zu gewöhnen und Abstände neu einzuschätzen, damit sie nirgends gegen fahren, sagt Ines Gülle. In der Regel dauere das aber nur wenige Tage. „Dann laufen sie, als wäre es nie anders gewesen.“

Die Rollstühle tragen die Hunde nur bei den Spaziergängen. Zuhause haben die Gülles extra eine großes Stück PVC auf dem Hof ausgelegt, auf dem die Hunde hin und her rutschen können, um sich fortzubewegen. Das machen sie mit unterschiedlichen Techniken: „Der eine rutscht auf dem Po, der andere auf den Knien.“

Rubriklistenbild: © Beutner

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