66-Jähriger bringt auch kranke Menschen zum Arzt

Froh über Aufgabe: Alfred Ingrisch fährt trotz Ruhestand Kinder zur Schule

Startklar: Sascha Rais (von links), Torben Jakob, Dorothea Noll und Kevin Fischer besuchen die Paul-Moor-Schule. Alfred Ingrisch fährt sie und rund 130 weitere Schüler mit seinen Kollegen dorthin und holt sie mittags wieder ab. Foto:  Skupio

Reichensachsen. „Ich fahre gern Auto", sagt Alfred Ingrisch. Doch das allein ist nicht der Grund, warum der 66-Jährige trotz Ruhestand drei- bis viermal die Woche für den Verkehrsbetrieb Dietemann Touristik unterwegs ist.

Vielmehr geht es dem Rentner um die sozialen Kontakte. „Ich bin immer gern unter Menschen gewesen, war 25 Jahre lang im Vorstand des Karnevalsvereins aktiv und bin Vorsitzender des Partnerschaftsvereins“, sagt der Reichensächser, der seit vier Jahren Rentner ist.

Seit zwei Jahren fährt der ehemalige Geschäftsführer einer Druckerei kranke Menschen zum Arzt und behinderte Kinder und Jugendliche aus dem Kreis zur Paul-Moor-Schule in Reichensachsen. Dafür hat er einen Fahrgastbeförderungsschein erworben, für den unterschiedliche Tests zuPersönlichkeit, Reaktion sowie zum Hör- und Sehvermögen nötig waren.

Pünktlichkeit, Erfahrung und Zuverlässigkeit sind drei Aspekte, die Elke Schulz an ihren älteren Mitarbeitern schätzt. Der Transport von behinderten und kranken Menschen - darunter 90 Prozent Krebskranke - sei ein sensibler Bereich, für den „ältere Menschen aufgrund ihrer Lebenserfahrung besser geeignet“ seien. Von ihren 14 Fahrern sind gut die Hälfte Rentner, darunter einige, die Schulz persönlich gut kennt und kontaktiert hat - so auch Alfred Ingrisch. „Ich habe ihr mal gesagt, dass ich mir so etwas gut vorstellen könnte.“ Als ein Platz frei wurde, kam Schulz auf den Rentner zu und bot ihm den 450-Euro-Job an. „Reich wird man davon nicht, aber es ist okay - wenn es mehr wäre, müsste ich es wieder versteuern.“ Zumal das Geld nicht an vorderster Stelle stehe, sondern der Kontakt mit Menschen, die eine besondere Betreuung benötigen.

So seien schon einige Freundschaften entstanden. „Gerade behinderte Kinder und Jugendliche sind unheimlich dankbar“, sagt Ingrisch. Es sei auch schön, eine Aufgabe zu haben. Dank einiger Sponsoren konnte der 66-Jährige einen behinderten Jungen mit seiner Familie auch schon ins Fußballstadion nach München fahren.

Aufbauarbeit leisten

„Wenn man jemanden gut kennt, dann kann der Transport von Kranken schon an die Substanz gehen“, sagt Ingrisch. Man müsse aufpassen, dürfe nicht groß Gefühle zeigen, denn die Kranken seien selbst schon traurig genug, vielmehr müsse man versuchen, sie aufzubauen.

Von seiner Familie erhält Ingrisch volle Rückendeckung für seinen Minijob. „Meine Frau arbeitet noch, was auch ein Grund für mich war, den Job anzunehmen.“ Nächstes Jahr, wenn seine Frau in Rente geht, will Ingrisch beruflich etwas kürzer treten. Dann wollen beide mehr mit dem Wohnmobil unterwegs sein. „Ich habe aber bereits gesagt: Wenn ich gebraucht werde, sollen sie mich anrufen.“ (gsk)

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