Jäger können per App angefahrenes Wild melden

Gefahr durch Rehe: Handy soll vor Wild warnen

Werra-Meißner. Mit einer App will ein Doktorand Wildunfallschwerpunkte hessenweit sichtbar machen.

An der Universität Kiel wurde ein Wildunfallkataster entwickelt, mit dessen Hilfe Autofahrer über das Navi oder Handy vor Gebieten gewarnt werden können, an denen besonders oft Wildtiere über die Fahrbahn laufen. Matthias Böhm, der in der Unfallkommission von Hessen Mobil arbeitet, will dieses System auch für Hessen einführen. In seiner Doktorarbeit will er die Daten der Jäger mit den Unfalldaten der Polizei und der Straßenmeistereien zusammenbringen, kartieren und digital zur Verfügung stellen.

Böhms Ziel: Anbieter von Apps oder Navigationssystemen sollen auf die Daten zugreifen können, um Autofahrer zu warnen und Jägern die Möglichkeit zum Melden von Fällen zu geben. Auch Radiomeldungen könnten mit den gesammelten und ständig aktualisierten Daten generiert werden und so Autofahrer darauf hinweisen, an welchen Stellen die Unfallgefahr erhöht ist.

Das Problem an den bestehenden Warnungen, wie den Wildwarnschildern, ist laut Böhm: „Sie sind zu inflationär.“ Einmal aufgestellt, werden sie nicht mehr abmontiert. „Die Leute achten einfach mehr auf ihr Smartphone als auf Blechschilder.“

Mit einer App hätten auch Jäger die Möglichkeit, angefahrenes oder totes Wild in ihrem Pachtgebiet direkt über das Smartphone oder den Computer zu melden. Das könne helfen, die Dunkelziffer der Wildunfälle zu erfassen, die Jäger sehr hoch einschätzen. Bis jetzt gebe es keine digitale Datenbasis der Jäger. Auch Fälle, die nicht in der Unfallstatistik der Polizei auftauchen, könnten mit dieser Technik gemeldet werden. Dazu zählen Unfälle mit kleineren Tieren und solche, die nicht polizeilich gemeldet wurden. „Wir brauchen eine Datengrundlage, die schnell gepflegt wird“, sagt Böhm. Das wäre über einen digitale, frei zugängliche Datenbank möglich, auf die unterschiedliche Beteiligte zugreifen können. Außerdem können weitere Faktoren, wie das Wetter, mit in die Prognose einbezogen werden. Über den Landesjagdverband will Böhm jetzt die Jäger mit ins Boot holen.

In Schleswig-Holstein ist die App seit fünf Jahren im Einsatz. Sie soll bald bundesweit verwendet werden. Der Aufbau der App in Hessen wird von den Hochschulen Geisenheim und Kiel betreut.

• Infos: www.wildtier-kataster.uni-kiel.de

Rubriklistenbild: © Archivfoto:  dpa

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