Elfriede Stöber - eine fast blinde Poetin

Trauer von der Seele geschrieben: Elfriede Stöber dichtet und schreibt ihre Werke fast blind nieder. Foto:  Skupio

Weißenbach. Lasst uns lesen und schreiben, bevor uns hören und sehen vergeht - Diese Parole hatte sich der Autorentreff Meißner 1981 auf die Fahnen geschrieben.

Für Elfriede Stöber, die bis zu dessen Auflösung 2011 dabei war, wird dieser Satz zunehmend realer: Die 89-Jährige leidet seit drei Jahren unter einer fortschreitenden Makuladegeneration, einer Erkrankung der Netzhaut, die bis zur Erblindung führen kann. Das Einstellen der Waschmaschine fällt ihr schwer, Fernsehen ist eher wie ein Hörspiel für sie, beim Backen muss sie mit der Lichtlupe - mit der sie auch die Zeitung liest - in den Messbecher leuchten.

Trotzdem schreibt die Weißenbächerin für ihr Leben gern Gedichte, „weil ich mir manchmal nicht mehr sicher bin, ob ich das ‘r’ schon geschrieben habe“ mittlerweile mit ein paar Fehlern. „So lange ich noch sehen konnte, habe ich kleine Zeichnungen dazu gemalt.“ Nun sucht sie thematisch passende Bilder heraus. Mehr als 200 sind bereits, jedes Jahr nimmt die Seniorin mit einem Gedicht am Wettbewerb der „Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte“ in München teil. Von dem erfuhr sie über den Autorentreff, zu dem sie 2002 nach dem Tod ihres Mannes von einer Bekannten erstmals mitgenommen wurde. „Durch Geschichten und meine Laien-Gedichte fand ich zum Leben zurück“, sagt die 89-Jährige, die mit dem Schreiben ihre Trauer verarbeitet hat.

„Anfangs wurden meine Texte nicht so gut beurteilt, sie seien landläufig, aber ich habe immer weiter geschrieben und mich entwickelt“, sagt Elfriede Stöber. „In wunderbar dichten Bildern und lyrisch klaren Worten zeichnen Sie die Sehnsucht nach“, hieß es in der Beurteilung ihres zuletzt eingesandten Werks.

Themen ihrer Gedichte sind die Natur, die Liebe und alles, worüber sich Elfriede Stöber Gedanken macht. Selbst beim Laub rechen fallen ihr Gedichte ein. „Heute wird so geschrieben, wie man spricht. Davon bin ich aber gar kein Freund, meine Gedichte reimen sich alle“, sagt die Seniorin, die natürlich auch darüber ein Gedicht verfasst hat. Mitunter schlägt sie auch einen sehr humorvollen Ton an: Zu ihrem 80. Geburtstag hat sie ein Gedicht über künstliche Hüften und Zähne verfasst. (gsk) Ein Gedicht steht unten

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