Auswanderer widmet seiner Heimat ein Lied

Großalmerode hat eine eigene Hymne

Kleine Häuschen in der Faulbach: Hier lebte der Verfasser des Heimatlieds von Großalmerode, Georg Ziegler, bevor er auswanderte. Seinem Elternhaus widmete er auch Zeilen in Strophe vier. Das Bild entstand im Jahr 1952. Foto: Richard Pairan/nh
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Kleine Häuschen in der Faulbach: Hier lebte der Verfasser des Heimatlieds von Großalmerode, Georg Ziegler, bevor er auswanderte. Seinem Elternhaus widmete er auch Zeilen in Strophe vier. Das Bild entstand im Jahr 1952.

Großalmerode. „Oh Städtchen dort im Hessenland, das Berge rings umfassen, wie knüpft mich das Erinn’rungsband an dich und deine Gassen!“ So beginnt das Heimatlied Großalmerode.

Georg Ziegler verfasste die Reime, nachdem er vor über 90 Jahren nach Brasilien ausgewandert war. Nur wenige Orte verfügen über eine vergleichbare Regionalhymne.

All die Zeit blieb es als Stadt- bzw. Nationalhymne der Almeröder unverändert. Ziegler verfasste es wohl um 1924 / 1925, kurz darauf wurde es bei Schützen-, Turner-, Kriegerverein- und sonstigen Festen gesungen. Offiziell zum Heimatlied wurden die gereimten Erinnerungen aus der Ferne aber erst im Jahr 1938, als die Großalmeröder ihr erstes Heimatfest feierten.

O Städtchen dort im Hessenland: Das Heimatlied Großalmerode von Georg Ziegler (Text) und Karl Burhenne (Melodie). Foto: Archiv Nobel/nh

Während Verse und Melodie in Großalmerode allseits bekannt und beliebt sind, war über den Verfasser bislang nur wenig bekannt. Georg Albert Ziegler, geboren am 14. August 1882 in Hoya/Weser, war der Sohn des 1841 in Großalmerode geborenen und hier 1902 verstorbenen Konrad Ziegler. Der Vater war 1877 als Bergarbeiter auf der Zeche Steinberg bei Hann. Münden beschäftigt und heiratete um 1877 die 1844 in Hoya geborene Margarethe Grimm.

Das Paar lebte in Hoya, hier wurden ihre sechs Kinder, zwei Jungen und vier Töchter, geboren. Vermutlich nach 1890 zog die zur Freikirche der Baptisten gehörende Familie von Hoya nach Großalmerode, und zwar in das elterliche Haus in der Faulbachstraße 20. Diesem Haus widmete Heimatlied-Verfasser Ziegler später die ersten Zeilen der vierten Strophe. Dort heißt es: „Und wenn ich an die Faulbach denk‘ ans Häuschen, an das kleine, so ist’s als ob ich drinnen wär, ja drinnen ganz alleine...“

Das Häuschen war am Rauschebach gelegen, am Ortsausgang nach Rommerode. Es soll sich um ein zum Eisenberger Alaunwerk und den gegenüber liegenden Tonfeldern gehörendes Wirtshaus gehandelt haben. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es bewohnt vom ersten aus Sachsen stammenden Steiger der nahe gelegenen Zeche Faulbach, Johannes Herrmann und seiner Frau Anna Margarethe Fuß, den Ur-Großeltern des Georg Ziegler – und in der Folge von dessen Großeltern und Eltern.

Danach lebten in dem Haus, das den Vereinigten Großalmeroder Thonwerken (VGT) gehörte, die Familien von Friedrich Gustav Goebel (Tiegelmacher), August Noll, gen. Reinhans (Tonhauer) und ab 1939 Friedrich Wilhelm Lichte (Tonhauer). 1958 ließ die VGT das baufällige Gebäude mit dem angrenzenden Hirtenborn entfernen.

Von Hermann Nobel und Kathrin Bretzler

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