Bittere Bürgerkritik

Windkraft-Pläne der HSE im Kaufunger Wald: Gegner laufen Sturm

Protest gegen Windräder: Zur Informations-Veranstaltung im Rathaus Großalmerode kamen rund 120 Zuhörer – die Mehrzahl waren Windkraftgegner. Foto: Schumann

Großalmerode. Bitterer Bürgerkritik stellten sich Vertreter des Energiekonzerns HSE bei der Vorstellung ihrer Windpark-Pläne für den Kaufunger Wald. Statt über das laufende Projekt zu diskutieren, stellten die Windkraftgegner viele Grundsatzfragen. Richtig konkret wurde es erst am Ende.

Die Bürger trauen dem Investor nicht. Das wissen die Verantwortlichen des Darmstädter Energiekonzerns HSE. Entsprechend hitzig wurde es am Mittwoch, als HSE seine Pläne für einen Windpark auf der Hausfirste im Kaufunger Wald vorstellte - und bittere Kritik von Bewohnern der umliegenden Kommunen erntete.

„Dabei ist es unser Anspruch, von der Planung bis zur Inbetriebnahme mit den Bürgern und lokaler Wirtschaft zu kooperieren“, sagte Markus Horn, HSE-Geschäftsführer für regenerative Energien bei der Info-Veranstaltung. Rund 120 Gäste aus Witzenhausen, Helsa, Kaufungen und weiteren Anrainern waren gekommen - darunter Mitglieder der Bürgerinitiativen Pro Hirschberg-Kaufunger Wald und Lebenswertes Helsa.

Die HSE-Vertreter stellten ihren aktuellen Zeitplan vor: Bereits im kommenden Oktober soll der nötige Genehmigungsantrag nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (Bimschg) beim Regierungspräsidium eingereicht werden. Im Januar 2015 rechnet der Konzern mit einer Genehmigung. „Im besten Fall können wir im April 2015 mit den Bauarbeiten beginnen“, sagte Peter Gevers, Projektleiter bei HSE. Rotieren könnten die Turbinen dann ab Januar 2016 - wenn der Plan aufgeht.

Teils unsachliche Zwischenrufe von Windkraftgegnern unterbrachen den Vortrag. „Wenn hier gebaut wird, ist der Kaufunger Wald vorbelastet, dann geht es in Helsa weiter. Das wollen wir nicht sehen.“ Zuhörer quittierten die Rufe mit Applaus. „Sie haben hier keine Chance. Wenn Sie mit Ihren Baufahrzeugen kommen, gehen wir dort mit 50 Leuten spazieren. Da kommen Sie nicht durch!“

Fotomontage: Wenn der Plan des Energienkonzerns HSE funktioniert, sollen im Jahr 2016 zehn Windräder im Kaufunger Wald in Betrieb genommen werden. Diese Grafik zeigt, wie das Panorama der Hausfirste künftig aussehen könnte. Fotomontage: nh/HSE

Die anliegenden Kommunen sollen laut HSE vom Windpark profitieren: „Der Bau wird mit lokalen Firmen stattfinden und die Finanzierung läuft über regionale Banken“, sagte Sprecher Matthias Heim. 50 Millionen Euro will HSE investieren. In puncto Gewerbesteuer stellte der Konzern in Aussicht, dass künftig 70 Prozent der Gewinne an den Forstgutsbezirk gehen werden und 30 Prozent an die Kommune, in der sich künftig der Betriebssitz befinden wird. HSE fasst Witzenhausen und Großalmerode ins Auge.

Laut wurde es im Rathaus, als Heim das Wort „Imagegewinn“ in den Mund nahm. „Mit zehn Windrädern, ich lach’ mich tot!“, schallte es aus dem Publikum. Kreistags-Abgeordneter Wolfgang Kistner sagte, es sei bedauerlich, dass die Debatte emotionalisiert werde. „Doch die Menschen sind mit dem Kaufunger Wald verwoben. Wenn die Räder kommen, ist er zerstört.“ Laut HSE muss für den Windradbau die Kohlenstraße auf vier Meter verbreitert werden. Aus Brandschutzgründen sei außerdem die Installation von vier Löschwassertanks im Waldgebiet nötig.

Von Jan Schumann

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