Folgen umstritten

Heimische Touristiker bewerten Einfluss der Windkraft unterschiedlich

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Hier dreht sich bald ein ganzer Windpark: Die neuen Windräder im Kaufunger Wald sind vom Werra-Burgen-Steig bei Witzenhausen aus gut zu sehen.

Werra-Meissner. Die Folgen des Ausbaus der Windenergie in der Region sind höchst umstritten - auch im Bereich Tourismus.

Die einen sehen den Tourismus in Gefahr, andere gehen davon aus, dass auch Touristen Windräder als Zeichen der Energiewende akzeptieren. Die Hintergründe in Fragen und Antworten.

Wer kritisiert den Ausbau der Windkraft? 

Vertreter der Grimmheimat Nordhessen und des Hotel- und Gastronomieverbands (Dehoga) bangen um die Zukunft des Fremdenverkehrs in Nordhessen. „Windparks an den falschen Stellen können erhebliche negative Auswirkungen auf den Tourismus haben“, schreibt etwa Herwig Leuk, Vizevorsitzender des Dehoga-Bezirksverbandes Nord-Osthessen, in einer Pressemitteilung. Leuk verweist auf eine Studie des Bundesverbands Deutscher Mittelgebirge aus dem Jahr 2013. „Danach würden sich 22 Prozent der Urlauber klar gegen einen Urlaubsort im Mittelgebirge entscheiden, wenn dort Windenergieanlagen stehen.“

Warum kommt jetzt diese wütende Stellungnahme? 

Der Tourismusbeirat der Grimmheimat Nordhessen hatte das Regierungspräsidium Kassel bereits 2013 gebeten, auf die Bedürfnisse des Tourismus Rücksicht zu nehmen. Immerhin ist dieser mit einem Jahresumsatz von drei Milliarden Euro ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Forderungen damals:

• entlang von Weitwanderwegen und in traditionellen Erholungsräumen wie den Naturparken, dem Nationalpark und dem Reinhardswald sollte ein weiter Abstand bei der Errichtung von Windenergieanlagen eingehalten werden

• Sichtachsen von Aussichtspunkten sollten nicht beeinträchtigt werden.

Nachdem das Regierungspräsidium vergangene Woche den Entwurf zum Teilregionalplan Energie vorgelegt hatte, war die Enttäuschung groß. „Wir stellen mit Bedauern fest, dass für die Ausweisung von Vorrangflächen für Windparks die Interessen der heimischen Tourismuswirtschaft keine Rolle spielen“, so Grimmheimat und Dehoga in ihrer Erklärung.

Was sagen Tourismus-Experten im Werra-Meißner-Kreis dazu? 

Angst, dass der Werra-Burgen-Steig trotz der jüngsten Auszeichnung künftig gemieden wird, weil man bald unter anderem die Windparks im Kaufunger Wald und bei Schloss Berlepsch sehen kann, hat Claudia Krabbes, Geschäftsführerin der Werratal Tourismus Marketing GmbH, dagegen nicht. „Die Kritik an den Windparks kommt eher von Einheimischen“, sagt sie. Es gebe auch Studien, dass Windparks dem Tourismus in Mittelgebirgen keinen Abbruch tue - solange die Wege nicht direkt an den Windparks vorbeiführen. „Der Werra-Burgen-Steig verläuft zu großen Teilen im Wald“, sagt Krabbes. „Und wenn man bei den Aussichtspunkten in der Ferne Windräder sieht, wird das vor allem von vielen jüngeren Menschen akzeptiert.“ Ihre Kollegin und Projektmanagerin Daniela von Berlepsch stimmt dem zu: „Lärm stört viele mehr als eine Aussicht auf Windräder.“

Ist die Nachzertifizierung des Werra-Burgen-Steigs durch Windparks in Gefahr? 

„Nach derzeitigem Stand nicht“, sagt Krabbes. Es könne sein, dass es Punktabzüge im Bereich Aussicht gibt. Aber insgesamt würden viel mehr Kriterien bei Qualitätswegen bewertet, unter anderem Ausstattung und Markierung. „Unser Puffer an Punkten ist groß genug.“

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