Brüder Grimm gaben Lesung "Wilder gärtnern" in Hessisch Lichtenau

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Wählten eine gute Mischung alter Texte und Briefe zum Thema Gärten: Die „Brüder Grimm“, Stefan Becker als Wilhelm (links) und Carlo Ghirardelli als Jakob, gaben eine Lesung im Hochzeitszimmer in Hessisch Lichtenau. 

Hessisch Lichtenau. Diesmal war es ihre Liebe zur Natur, die für ein weiteres Gastspiel der „Brüder Grimm" in Hessisch Lichtenau sorgte.

Jakob und Wilhelm Grimm alias Carlo Ghirardelli und Stefan Becker stehen am Freitagabend in der Kluft eines Schriftstellers des 19. Jahrhunderts am Eingang zum alten Lichtenauer Rathaus und heißen nach und nach jeden einzelnen der mehr als 60 Besucher willkommen.

Alle sind gespannt auf einen unterhaltsamen Abend im heiteren Umgang mit dem Thema „Wilder gärtnern“, das die beiden Schauspieler auf launige und informative Weise durchleuchten wollen. Ihr Auftritt ist die vorletzte Veranstaltung im Rahmen des Lichtenauer Konzepts „Die grüne Vielfalt“, mit dem die Lossestädter erfolgreich an der landesweiten Innenstadtoffensive „Ab in die Mitte“ teilgenommen haben.

Pünktlich mit dem achten Glockenschlag im nahen Kirchturm schließt Ghirardelli das kleine Sprossenfenster im ehemaligen Hochzeitszimmer, das bis auf den letzten Platz besetzt ist. Wie immer kosten die beiden Grimms erst einmal ihr Wasser im Glas und entscheiden einmütig: „Wir bleiben!“

Mit einem Auszug aus einem Brief von Schiller aus Jena an Goethe aus dem Jahre 1797 unterstreicht Wilhelm in Gestalt von Stefan Becker die Bedeutung der Gärten aus der Zeit des ausklingenden 18. Jahrhunderts: „Ich begrüße sie aus meinem Garten, in den ich heute eingezogen bin. Eine schöne Landschaft umgibt mich, die Sonne geht freundlich unter und die Nachtigallen schlagen. Alles um mich herum erheitert mich und mein erster Abend auf dem eigenen Grund und Boden ist von der fröhlichsten Vorbedeutung.“

Erste Erfahrungen in Steinau

Ihre eigenen Erfahrungen zum Thema hatten die beiden Brüder bereits in jungen Jahren im groß angelegten väterlichen Garten in Steinau an der Straße gesammelt. Es muss anstrengend gewesen sein, denn der Tipp, „wenn sie ihren Kindern ihren Garten vererben wollen, treten sie nie in hessische Dienste“ spricht Bände. Ihr Vater war Amtmann und verstorben, als die beiden gerade aus dem Grundschulalter heraus waren. Sie kamen zur Tante nach Kassel und waren dort beeindruckt von den sauberen Gärten und Alleen - vor allem in Wilhelmshöhe.

So manche Episode aus ihrem jungen Leben geben die beiden im Laufe ihres Vortrags zum Besten und frotzeln sich dabei hin und wieder gegenseitig an. In den Grimmschen Märchen und Sagen spielen die Gärten häufig eine bedeutende Rolle, wie so manche Kostprobe den Besuchern vor Augen hält.

Am Ende gibt es für die Künstler kräftig Beifall und nach einer Zugabe für jeden auch noch eine „Ahle Worscht“ mit auf den Weg nach Hause, überreicht von Monika Walenta-Müller und Anne Huck in ihrer Funktion als Frau Holle.

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