Drei Kabarettisten der Extraklasse

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Mit gekreuzten Würsten: Von links die Kabarettisten Erik Lehmann, Simone Solga und Mathias Tretter bei der Kabarett-Gala „Gemeinsam Lachen“ in Hessisch Lichtenau.

Hessisch Lichtenau. Das war wieder ein Spitzen-Abend im vollen Bürgerhaus von Hessisch Lichtenau. In der Reihe „Gemeinsam lachen“ gastierten diesmal gleich drei Kabarettisten der Extraklasse.

Der Dresdener Erik Lehmann war der Jüngste im Dreierbund. Er schlüpfte, die anderen Programmpunkte verbindend, in verschiedene Rollen. Als Dresdener Wutbürger mit Herz Uwe Wallisch, der sicher ist: „Ich bin der einzigste noch lebende Normale“. Trefflich parodiert er den ehemaligen bayerischen Ministerpräsident Edmund Stoiber, den er bekennen lässt „Bei Halbmond schlafe ich schlecht“. Als Vorsitzender des Schrebergartenvereins fordert er syrische Flüchtlinge in englisch-deutschem Kauderwelsch auf, bitte keine Frauen auf der Parzelle zu steinigen.

„Ich habe noch gelernt, keine dummen Fragen zu stellen“, erläuterte Simone Solga die Dankbarkeit für ihre DDR Vergangenheit. Die „Kanzlerinnen-Souffleuse“ eroberte das Publikum im Sturm. Ohne Punkt, ohne Komma und leider auch ohne Mikrofon schoss sie eine Pointe nach der anderen ab: Mal politisch: „Eine Lungenentzündung kann die Präsidentschaft gefährden, eine Psychose nicht“, über Trump und Clinton. Mal voll schwarzen Humors: „Ich möchte so ruhig sterben wie mein Großvater. Und nicht so hysterisch schreiend wie sein Beifahrer.

Sexuelle Belästigung, Nein heißt Nein: Zur Demonstration suchte sie sich Bürgermeister Michael Heußner aus, der als Antänzer kläglich versagte. „Wenn der Islam zu Deutschland gehört, dann gehört auch die Kritik am Islam zu Deutschland“ spitzte sie zu und teilte aus an das politische Spitzenpersonal: Ralf Stegner, die Hackfresse der SPD. Sarah Wagenknecht: Die Luxuspflegekraft von Oskar Lafontaine. Der Unterschied zwischen Seehofer und de Maizière: Der Innenminister weiß viel und redet wenig und der Seehofer...

Matthias Trettner lebt in Leipzig, stammt aber aus Franken und ist ein Vertreter des westdeutschen intellektuellen Kabaretts. Seine Weltsicht ist pessimistischer: „Man steht im dritten Stock eines brennenden Hauses und schimpft den Hamster, weil der die Tapete anknabbert: Das ist Kritik an Horst Seehofer!“ Willkommenskultur für ihn: „Platz im Kleiderschrank schaffen. Die Frau aus Bangladesch bekommt die Jeans, die sie selbst genäht hat.“ Mit der Religion hat er es nicht so: „Es endet im Desaster, wenn die Sexualität unterdrückt wird“. Er könnte sich einen Patchwork-Glauben vorstellen, den man dann in der Muttergottes-Moschee leben könne.

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