Erstes Baby in Flüchtlingsunterkunft: Yasin macht alle glücklich

Hessisch Lichtenau. Yasin gähnt und macht die Augen dabei nicht auf. Er schläft friedlich weiter, während in der Wohnwabe seiner Eltern in der Hessisch Lichtenauer Flüchtlingsunterkunft im Senkefeld die Gratulanten kommen und gehen.

Dabei konnte es ihm vor acht Tagen gar nicht schnell genug gehen. Bis ins Krankenhaus schaffte Mutter Iman Zeyna, die mit ihrer Familie aus dem syrischen Damaskus nach Deutschland geflohen war, nicht mehr. Hebamme und Sanitäter entbanden den Jungen vorigen Samstag um 0.50 Uhr direkt in der Unterkunft. Ein Rettungswagen brachte Mutter und Sohn später in die Klinik. Jetzt ist die 42-Jährige mit ihrem Baby zurück im Senkefeld. Beide sind wohlauf und die Familie stolz auf den neuen Familienzuwachs. Yasin ist das siebte Kind der Familie, und das erste, das in der Flüchtlingseinrichtung geboren wurde.

Erste Geburt im Senkefeld: Diese syrische Familie bekam in der Flüchtlingsunterkunft vorigen Samstag ihr siebtes Kind, von links Abdel Hamid (16), Salam (knapp 2), Iman Zeyna, Shehad (10), Yasin und Yousef Ghazal. Foto: Bretzler

Mausi, ein kleiner Bär mit Herz auf der Brust, bewacht Yasins Schlaf in einem kleinen Kinderbett, das neben den Etagenbetten der restlichen Familie steht. Mit Yousef Ghazal, seiner Frau Iman Zeyna, Sohn Abdel Hamid (16) und den Töchtern Shehad (10) und Salam (knapp zwei) ist der kleine, nach oben offene Raum voll belegt. Als Iman im siebten Monat schwanger war, floh die Familie vor Krieg und Terror über die Türkei, Griechenland und die Balkan-Route nach Deutschland. Sie ließen nicht nur ihr mittlerweile zerbombtes Haus und den landwirtschaftlichen Betrieb mitsamt Vieh von Vater Yousef zurück, sondern auch einen erwachsenen Sohn und eine Tochter mit deren Familien. „Wir stehen telefonisch in Kontakt, es geht ihnen so gut, wie es ihnen unter den Umständen gehen kann“, sagt Iman, der man die Sorge um ihre Kinder deutlich ansieht. „Sie würden gern nachkommen, aber die Grenze zur Türkei ist jetzt geschlossen.“

Einen Sohn hat der Krieg der Familie bereits genommen. Wie er ums Leben kam, erzählt Iman nicht. Aber sie sagt: „Syrien hat sich verändert und die Menschen mit ihm. Der Terror macht das Land kaputt. Das ist kein Ort mehr, wo wir leben möchten.“ Die Familie hofft auf eine Anerkennung in Deutschland, eine kleine Wohnung und die Chance auf ein friedliches Leben. „Wir sind so dankbar für die Freundlichkeit, die uns hier entgegengebracht wird.“

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