In Hessisch Lichtenau

Hessen Forst nimmt erstmals Europäisches Motorsägenzertifikat ab

+
Arbeit für zwei: Prüfer Volker Gerding hat die Motorsäge im Blick, während Andre Moschka auf seinen Kollegen Markus Riethmüller wartet, um den Baum gemeinsam zu fällen.

Hessisch Lichtenau. Schnell sirren im Wald hinter Trubenhausen die Motorsägen. „Achtung! Baum fällt!", ruft einer der Waldarbeiter, kurz darauf knackt der Stamm und kracht zu Boden.

Martin Hennemuth, einer der Ausbilder von Hessen Forst, schüttelt den Kopf. „Die sind durchgefallen“, sagt er und deutet auf die beiden Prüflinge. „Sie wollten gleichzeitig fällen und haben dabei nicht auf den Sicherheitsabstand geachtet. Das kann schnell zu Unfällen führen, da können wir kein Auge zudrücken.“

Die Durchgefallenen sind zwei von vier Waldarbeitern, die am Mittwoch das Europäische Motorsägenzertifikat erlangen wollten. Auf vier Leveln (Leistungsstufen) weist es nach, dass die Probanden Mindeststandards für Holzfälltechniken, den Umgang mit dem Werkzeug und die Sicherheitsregeln beherrschen. Im Gegensatz zum bekannten Motorsägenführerschein richtet es sich vor allem an professionelle Waldarbeiter. Zudem sind die Anforderungen des Zertifikats anders als beim Führerschein genau definiert und europaweit gleich.

„Das Zertifikat wurde in erster Linie eingeführt, um die Arbeitssicherheit zu erhöhen“, sagt Hessen-Forst-Landesbetriebsleiter Meik Gerlach. Immer wieder komme es bei Forstarbeiten zu teils tödlichen Unfällen, meist weil die Sicherheitsvorschriften nicht ausreichend beachtet würden.

Nur zwei Forstliche Bildungszentren in Deutschland dürfen das Zertifikat derzeit abnehmen. Neben dem Zentrum im sauerländischen Neheim bietet das Zentrum in Weilburg die Prüfung seit Ende 2015 an. In Hessisch Lichtenau hat es die Waldarbeiter nun erstmals antreten lassen.

Es wird jedoch nicht der letzte Termin gewesen sein: Seit Beginn des Jahres vergibt Hessen Forst nur noch Aufträge an Firmen, deren Waldarbeiter eine Forstwirtausbildung oder das Zertifikat mindestens auf Level Drei vorweisen. Das können bislang aber nur wenige externe Forstunternehmen. Für die Prüfungsgebühr von 850 Euro pro Person müssen die Unternehmen selbst aufkommen. „Bisher haben sich noch nicht viele zur Prüfung angemeldet“, sagt Volker Gerding, der für die berufliche Bildung im Forstamt Weilburg verantwortlich ist.

Das Bildungszentrum erwarte jedoch wegen der bald startenden Holzfäll-Saison in den kommenden Monaten eine stärkere Nachfrage. Die Termine sind auch für die durchgefallenen Kandidaten interessant: Sie können bei einer Wiederholungs-Prüfung zeigen, dass sie sich doch mit dem Sicherheitsabstand auskennen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.