Pilotprojekt: Aktivierende Hausbesuche sollen Körper und Seele von Senioren stärken

Auf Trab dank Senioren-Trainern: Erika Hartung ist eine der ehrenamtlichen Bewegungspaten, die beim aktivierenden Hausbesuchen mit Senioren üben will. Bei der Qualifizierung probierte sie selbst die Sportübungen aus. Fotos: Geier

Hessisch Lichtenau. Die evangelische Familienbildungsstätte Werra-Meißner bietet ab Oktober spezielle aktivierende Hausbesuche in Hessisch Lichtenau an. Das Angebot richtet sich an Senioren, die sich gern durch Bewegung fit halten möchten, ihr Zuhause aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht mehr verlassen können.

Die neun Ehrenamtlichen sind nun qualifiziert und müssen nur noch einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Vier Kurseinheiten mussten besucht werden, auf dem Lehrplan standen Kommunikation, alterstypische Krankheiten, Wahrnehmung und Bewegung. Eine der künftigen Bewegungspaten ist Erika Hartung. Die Lichtenauerin möchte ab Oktober Senioren besuchen, um mit ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Sport zu treiben und sich mit ihnen zu unterhalten. „Nachdem mir eine Bekannte von dem Projekt erzählt hat, habe ich mich sofort angemeldet“, sagt die 65-Jährige.

Älteren Menschen zu helfen, liegt ihr am Herzen. Sie erlebte, wie sich der Gesundheitszustand ihrer demenzkranken Mutter verschlechterte, machte deshalb eine Ausbildung zur Demenzbetreuerin. Die Neugier und die Freude älteren Menschen zu helfen, hat sie jetzt auch zu einer Bewegungspatin gemacht. „Ich hoffe, dass ich anderen Menschen mit den begleitenden Bewegungen ein Stück Lebensqualität erhalten kann“, berichtet Hartung.

Die aktivierenden Hausbesuche hätten vor allem ein Ziel: „Es geht darum, die Selbstständigkeit zu erhalten und länger alleine leben zu können“, sagt Organisatorin Birgit Simon von der Familienbildungsstätte. Hessisch Lichtenau ist das Pilotprojekt und wenn es funktioniert, werde man es auch in den anderen Kommunen verwirklichen.

Für Körper und Geist

Doch es geht nicht nur um körperliches Training, auch der Geist soll fit gehalten werden. „Wer rastet, rostet“, sagt Simon, die sich selbst qualifiziert hat. „Die Bewegungspaten machen mit den Senioren spielerische Übungen, wir werfen uns beispielsweise einen Ball zu oder wringen Handtücher.“ Es stände aber auch der Besuch im Vordergrund, denn häufig fehlt älteren Menschen einfach der Kontakt und sie brauchen jemanden zum reden. Und auch das sei in Ordnung, denn es gehe sowohl um Bewegung als auch Kommunikation.

Jeder Senior legt sein individuelles Ziel fest und die Bewegungspaten helfen bei der Umsetzung. Die älteren Menschen sollen Freude an der Bewegung haben und so eine Verschlechterung zurückhalten.

Die neun Ehrenamtlichen lachen sehr viel beim Training. Zum Beispiel, wenn die Übungsbälle quer durchs Zimmer fliegen. Sturzprophylaxe, Koordination, Kraftübungen und Mobilisierung machen das Programm aus. „Wenn Menschen ans Haus gebunden sind, können sie sich schwer zu solchen Übungen motivieren“, erklärt Simon. (zge)

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