Senkefeld: Integration durch Musik und Sport

Hessisch Lichtenau. Das Regierungspräsidium (RP) Kassel hat ein eigenes Konzept für Sozialbetreuung und Integration der Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) entwickelt.

Die darin erarbeiteten Ziele stellte Sozialpädagogin Maja Schauder in der Hessisch Lichtenauer Unterkunft im Senkefeld vor. Leitidee des Konzepts ist es, die Identität der Flüchtlinge zu stärken (siehe Hintergrund).

Hier setzt die Sozialbetreuung mit Sprachkursen, Sportstunden, Musiziernachmittagen und Kunstprojekten für Kinder und Erwachsene an. Vor Ort sind dafür Heilpädagogin Renate Bauer, Sozialbetreuer Erhard Sandrock, DRK-Leiter Markus Bechtel und ein großer Stab an Ehrenamtlichen zuständig. Ihre Angebote müssen sie an die Gegebenheiten der Unterkunft anpassen, die sich oft täglich ändern. „Die Menschen bleiben im Durchschnitt sechs Wochen, Nationalitäten und Altersstruktur ändern sich ständig. Deshalb müssen wir flexibel bleiben: Was bei einer Gruppe Bewohner funktioniert, kann bei der nächsten scheitern“, sagt Bechtel.

Hier wird gelernt: In der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Senkefeld in Hessisch Lichtenau steht morgens Deutschunterricht auf dem Lehrplan. Den Nachmittag verbringen die Bewohner mit Freizeitaktivitäten wie Volleyball, Fußball und Musizieren. Foto:  Skupio

Wichtig sei, den Menschen nach ihrer Flucht und den dadurch erlittenen Traumata wieder ein Gefühl dafür zu vermitteln, wer sie sind und was sie können. Hilfreich sei dabei immer, individuelle Stärken zu nutzen, sagt Bechtel. Beispiel: Ein Asylbewerber, der von Beruf Frisör ist, kann in der Einrichtung anderen die Haare schneiden und sich so für alle engagieren. „Es reicht nicht aus, den Menschen ein Bett, Essen und Toiletten zu geben - insbesondere, wenn sie länger hier bleiben“, betont Sozialpädagogin Schauder. Integration funktioniere nur durch aktive Einbindung der Asylbewerber, sowohl in ihren eigenen Alltag als auch in unsere Strukturen. „Wir müssen sie mit ihrem neuen Lebensumfeld, mit unseren Bräuchen, Regeln und Vorstellungen vertraut machen, damit sie sich neu orientieren können.“

Erstaufnahmeeinrichtung in Hessisch Lichtenau

Hintergrund: Stabile Identität ist der Schüssel

Das Konzept zur Sozialbetreuung stellt die Identität eines Menschen in den Mittelpunkt. Diese beruht nach Auffassung des Soziologen Karl Stanjek, dessen Modell das RP nutzt, auf drei Säulen:

• persönliche Identität: Stärken, Abneigungen,

• soziale Identität: Familie, Beruf, Hobbys, Rollenbild,

• kulturelle Identität: Sprache, Nationalität, Religion, Werte, Sitten.

Durch die während der Flucht erlittenen Traumata können diese Säulen aus dem Gleichgewicht geraten. Konstant bleibt einzig die kulturelle Identität, die so ein Übermaß an Bedeutung gewinnt. Das erschwert die Integration, die darauf abzielt, sich mit einer neuen Lebensweise auseinanderzusetzen.

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