Smartphones sollen aus dem Unterricht verbannt werden

Handys gehören in den Organizer: Marcio Schröder (von links), Lorenz Kistner, Anna Lisa Schmelzer, Lukas Burgener, Tom Herwig, Carolina Zornik, Tamina Enters und Carolin Koch von der Hessisch Lichtenauer Freiherr-vom-Stein-Schule packen ihre Geräte weg. Fotos: Geier

Hessisch Lichtenau. Handys sind im Unterricht verboten - diese Regel umzusetzen, ist für Schulen aber schwer.

Die Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau hat das neue Konzept „Boxenstopp“ entwickelt. Seit einer Woche hängen in jedem Klassenraum hellblaue Organizer.

Vor Beginn jeder Stunde müssen die Schüler ihre Handys dort hineinstecken. Während des Unterrichts hängen sie dann für alle gut sichtbar an der Wand und sind nicht in greifbarer Nähe. Die Reaktionen der Jugendlichen auf das neue System sind gemischt.

In Zeiten wo jeder Schüler ein Handy besitzt, ist die Ablenkung im Unterricht garantiert. Lehrer Erik Meyfarth, der das Projekt begleitet, weiß, dass der Schüler etwa alle zehn Minuten auf sein Handy schaut. „Wir als Lehrer bekommen das nicht immer mit. Die Schüler sind so geübt, dass sie blind unterm Tisch Nachrichten schreiben können“, erklärt er. Mit der Konzentration im Unterricht sei es dann vorbei.

Die Neuntklässlerin Tamina Enters stört das System nicht, sie glaubt aber, dass die Vorschrift nicht für die Ewigkeit ist. „Je älter wir werden, desto lockerer werden die Regeln“, sagt die 14-Jährige. Bis dahin stecken die Neuntklässler ohne Murren ihre Geräte vor dem Unterricht in den Organizer.

Man könne sich jetzt besser auf den Unterricht konzentrieren, die Beteiligung hätte zugenommen und es würde auch weiterhin aktiv mit den Handys im Unterricht gearbeitet. Auch die Angst vor peinlichen Fotos, die dann untereinander geteilt würden, hat bei den Schülern abgenommen.

Boxenstopp scheint aber auch Lücken zu haben: Die Schüler erzählen, dass nicht alle ihre Handys abgeben und die Lehrer würde es nicht stören, wenn gerade einmal zwei Handys im Organizer stecken. „Die Lehrer wollen es nicht kontrollieren. Es läuft eher auf Vertrauensbasis“, erzählt Anna Lisa Schmelzer.

Das muss sich ändern, meint Schulleiter Burkhard Wieders. „Die Lehrer müssen den Organizer vor jeder Stunde routinemäßig kontrollieren.“ Wenn jetzt Schüler mit einem Handy im Unterricht erwischt werden, sammelt der Lehrer es ein und der Schüler kann es erst nach der sechsten Stunde bei der Schulleitung abholen - bei Wiederholung sogar nur noch im Beisein der Eltern.

Wenn man die Schüler fragt, ob ihnen das Angst macht, schütteln einige mit dem Kopf. „Manche Lehrer ermahnen nur“, erzählt Lorenz Kistner. Diese Regelung hätte es schon früher gegeben und niemals hätte jemand auch bei wiederholtem Mal mit den Eltern kommen müssen. Dessen ist sich auch die Schulleitung bewusst und führt ab jetzt Buch über die Missachtungen. „Wenn ein Schüler zum zweiten Mal mit einem Handy erwischt wird, dann wissen wir das“, berichtet Wieders. Seit dem Start des Projekts würde jeden Tag ein Handy bei der Schulleitung landen. Er hofft, dass sich das ändert, wenn die Schüler merken, wie ernst die Verstöße sind.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.