Thilo Seibel nahm 2015 aufs Korn

Eloquenter und gestenreicher Rückblick auf 2015: Kabarettist Thilo Seibel. Foto: zgg

Hessisch Lichtenau. 70 Besucher lachten gemeinsam mit dem Kabarettisten über das Klimaabkommen, Helene Fischer und Co.

Manchmal ist Kabarett wirklich nicht einfach. Denn das Publikum möchte ja über die Skandale und Fehltritte der kleinen oder großen Politik lachen.

Aber beim Rückblick auf das vergangene Jahr 2015 mit Terroranschlägen und rassistischen Übergriffen, da kann einem das Lachen schon fest im Halse stecken bleiben.

Auch Thilo Seibel war das bei seinem Gastspiel in Hessisch Lichtenau anzumerken. „Ein Mann ein Jahr ein Blick zurück“ war sein Jahresrückblick überschrieben.

Paris spielte dabei natürlich eine zentrale Rolle. Der Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“: „Warum hat damals eigentlich keiner „Ich bin jüdischer Supermarkt?“ als Button angesteckt fragte er. Immerhin waren in einem solchen doch auch vier Menschen erschossen worden.

Wie macht man Kabarett bei Anschlägen fragte er dann auch. Da gibt das große Klimaabkommen, das in der französischen Hauptstadt geschlossen wurde, doch mehr her. Es wird hoffentlich positive Folgen haben. Denn sonst müsse man an der Nordseeküste von Hessisch Lichtenau zehn Millionen holländische Boatpeople unterbringen.

Eloquent handelte er mit lebhafter Gestik seine Höhepunkte des vergangenen Jahres ab. „Die 28 Mitgliedsstaaten der EU benehmen sich wie überzuckerte Dreijährige, die einen Kindergeburtstag selbst organisieren wollen“, beschrieb er die Situation, bezeichnete den englischen Premier David Cameron als neoliberalen Windbeutel und behauptete über das Inselreich: „England hat nur größenwahnsinnige Investmentbanker und ungenießbares Essen zu bieten“.

„Wolfgang Bosbach wohnt im Studio von Anne Will“, folgerte er aus der ständigen Präsenz seines rheinischen Landsmannes in den Talkshows.

Verstehen kann er, dass der Bundesnachrichtendienst nur zufällig Hillary Clinton abgehört haben will, denn: „Ab-sichtlich hätten die das nie hinbekommen:“

Lösen konnte er das Rätsel, warum Justizminister Heiko Maas bei der Vorratsdatenspeicherung umgefallen ist. Siegmar Gabriel hat nämlich zu ihm gesagt: „Wenn du da nicht mitmachst, setz ich mich auf dich drauf!“

„Harzer Roller“ nennt er den SPD-Vorsitzenden, schlägt als Wahlkampfslogan vor „Servil, debil, Gabriel“.

Schlechte Karten auch für die „Teflon-Lichtgestalt“ Franz Beckenbauer, dessen Rolle beim gekauften deutschen Fußballsommermärchen er genüsslich sezierte.

In Erinnerung wird Thilo Seibel Hessisch Lichtenau aber wegen einer Frage aus dem Publikum bleiben: „Wann bekommt Helene Fischer eine eigene Fernsehsendung?“

Viel Beifall gab’s von den rund 70 Besuchern im kleinen Saal des Bürgerhauses am Ende des zweistündigen Programms.

Von Gert Merkel

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