Unterwegs mit der Personenspürhündin Lilifee

Hessisch Lichtenau. Aufgeregt wartet Lilifee im Kofferraum des Autos ihres Herrchens.  Sie ist Peronenspürhündin. Wir haben sie beim Training begleitet.

Die Hündin wedelt nervös mit dem Schwanz als Volker Braun, Vorsitzender der Suchhundestaffel Werra-Meißner, ihr das Geschirr anlegt.

Gleich kann es endlich losgehen. Lilifee ist keine gewöhnliche Hündin und es steht auch kein gewöhnlicher Spaziergang an. Sie ist ein geprüfter Mantrailer (engl. man „Mensch“ und trail „verfolgen“) mit einem hervorragenden Geruchssinn.

Der kommt zum Einsatz, wenn eine Person vermisst wird. Jeder Mensch hinterlässt Geruchspartikel, die einzigartig sind. „Und Mantrailer suchen nach diesem Individualgeruch“, erklärt Braun. Theoretisch wäre jeder Hund dazu in der Lage, Spuren zu erschnüffeln. „Es kommt halt darauf an, ob er auch weiß, wie er seine Nase einsetzen kann.“ Und Lilifee, ein American Staffordshire Terrier Mix, kann genau das. Der 71-Jährige trainiert mit ihr zweimal pro Woche. Die Spur für die Übung führt durch Hessisch Lichtenau und wurde bereits einen Tag zuvor gelegt. „Auch nach 48 Stunden und bei schlechtem Wetter findet sie den Trail noch“, betont Braun.

Zu Beginn der Übung wird Lilifee eine Geruchsprobe vorgehalten. Diesmal ist es eine schwarze Socke. Nur kurz schnuppert die sechsjährige Hündin daran, dann geht es auch schon los. Ab jetzt übernimmt sie mit ihrer Nase die Führung und Braun hält sich im Hintergrund. Um Lilifee nicht zu beeinflussen, kennt auch er das Ziel nicht.

Im Alter von sieben Monaten kam die Hündin zu Volker Braun und seiner Frau Cornelia. „Wir haben irgendwann gemerkt, dass sie intelligent ist und eine sehr gute Nase hat. Da wussten wir, das ist der richtige Job für sie.“ Etwa drei bis vier Jahre dauere die Ausbildung zum Mantrailer.

Während sich Lilifee den Weg weiter erschnüffelt, wird sie von Braun genau beobachtet. Der 71-Jährige hält immer ausreichend Abstand, um sie bei ihrer Arbeit nicht zu stören. Wenn er allerdings das Gefühl hat, sie ist abgelenkt, ermutigt er sie mit den Worten „Lilifee arbeite“. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Besonders der erste Teil der Strecke - es geht durch den Frau Holle-Park - hat es in sich. „Hier waren schon viele andere Hunde, das bedeutet auch viel Ablenkung“, sagt Braun. Zwischendurch bleibt sie immer mal wieder stehen. Schüttelt sich. Dann geht es schnell weiter. Lilifee erschnüffelt sich den Weg, vorbei an Autos und Menschen über Straßen. Es ist laut, doch all das beeindruckt die Hündin nicht.

Plötzlich fängt sie an, stärker an der Leine zu ziehen. Energisch geht sie voran. Braun merkt sofort: „Wir sind bald am Ziel.“ Und tatsächlich: Vor einem Hauseingang an der Retteröder Straße fängt Lilifee an zu bellen und ist ganz aufgeregt. Sie hat die gesuchte Person gefunden. Braun ist zufrieden: „Sie hat für die fast 900 Meter 13 Minuten gebraucht. Das ist eine gute Zeit.“ Für den Hund sei die Suche Schwerstarbeit. Deshalb ist nach jeder Übung erst mal Entspannung angesagt. Und eine Belohnung gibt es natürlich auch: Kochwurst und das Lieblingsspielzeug.

Hintergrund: Mantrailer vs. Flächensuchhund 

Während Flächensuchhunde jeden menschlichen Fund anzeigen und ohne Geruchsprobe suchen, verfolgt ein Mantrailer die Spur anhand des individuellen Geruchs einer vermissten Person. Dieser setzt sich aus vielen Komponenten zusammen, wie Hautschuppen, Schweiß, Deo und Hormonen. Personenspürhunde arbeiten an der Leine, Flächensuchhunde bewegen sich frei. In der Suchhundestaffel Werra-Meißner ist Hündin Lilifee derzeit die einzige geprüfte Mantrailerin. Zwei weitere Hunde befinden sich in der Ausbildung. Die Staffel hat außerdem noch sechs geprüfte Flächensuchhunde und zwei weitere werden derzeit ausgebildet. Der Verein mit 15 Mitgliedern hat seinen Sitz in Hessisch Lichtenau. Die Rettungshundestaffeln werden immer von den jeweiligen Polizeidienststellen angefordert.

Stichwort Geruchssinn 

Die Nase eines Hundes ist wesentlich empflindlicher als die eines Menschen. Dies zeigt schon die Anzahl der Riechzellen. Zwischen den Hunderassen gibt es dabei erhebliche Unterschiede. Ein Dackel hat laut Kathrin Turban, Tierärztin in Witzzenhausen, etwa 125 Millionen Riechzellen. Ein Schäferhund verfügt schon über 220 Millionen und ein Bloodhound sogar über 250 bis 300 Millionen. Der Mensch hingegen besitzt etwa 20 Millionen Riechzellen. Hunde atmen bis zu 300-mal in der Minute.

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