Betrieb mit 222 Flüchtlingen kann voraussichtlich nicht bis März aufrecht erhalten werden

100 verlieren ihre Jobs in Flüchtlingsheim in Hessisch Lichtenau

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Wird in wenigen Wochen geschlossen: In spätestens zwei Monaten sollen die 17 Leichtbauhallen der Erstaufnahmeeinrichtung im Senkefeld in Hessisch Lichtenau verschwunden sein. 

Hessisch Lichtenau. Gut 100 Jobs hängen an der Erstaufnahmeeinrichtung in Hessisch Lichtenau, deren Schließung am Mittwoch durch das Ministerium für Soziales und Integration bekanntgegeben wurde.

Alle Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz (DRK) und des Vereins Lequa, Dolmetscher, Reinigungskräfte und Hausmeister im Senkefeld wurden eigens für die Einrichtung neu eingestellt. Was aus ihnen wird, ist unklar.

Auch die Stadt Hessisch Lichtenau, die im Haushalt mit Pachteinnahmen von 400.000 Euro sowie einer Zuweisung des Finanzministeriums von 350.000 Euro für die erwarteten Asylbewerber gerechnet hat, wurde von der Entscheidung des Ministeriums eiskalt erwischt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussetzung der Grundsteuererhöhung aufrecht erhalten werden kann, tendiert gegen Null“, sagte Bürgermeister Michael Heußner.

Erst Ende Dezember waren die 17 Hallen für mehr als fünf Millionen Euro bezogen worden. Die Stadt hatte den Pachtvertrag mit dem Land im September 2015 für 18 Monate geschlossen - und hat nun die Kündigung erhalten. Dass der Betrieb für die derzeit 222 Flüchtlinge noch bis März aufrechterhalten wird, ist unwahrscheinlich. „Uns wurde gesagt, dass wir mit einem Zeitfenster von vier bis acht Wochen rechnen müssen“, sagte Markus Bechtel, DRK-Leiter im Senkefeld. „Es wussten alle, worauf sie sich einlassen - trotzdem ist es schwer zu verdauen.“ Die Stimmung unter 26 den Mitarbeitern, die allesamt Verträge mit Sonderkündigungsrecht haben, sei gedrückt. „Auch, wenn keiner weiß, wie es jetzt weiter geht, hat niemand seine Entscheidung bereut.“ Die Angestellten hätten teilweise sogar ihre Arbeitsstelle gekündigt, es sei eine Herzensangelegenheit gewesen. „Wir werden uns bemühen, für jeden ein Plätzchen zu finden“, sagt Bechtel, erwähnt jedoch im gleichen Atemzug, dass es auch Stellen in der Verwaltung gebe, wo sie sich etwas einfallen lassen müssten. Denn ausnahmslos wollen die Mitarbeiter alle am liebsten in dem Bereich der Flüchtlingsbetreuung bleiben.

Bechtel, der zuvor selbstständiger Projekt- und Bauleiter war und selbst nicht weiß, wie es für ihn weitergeht, kann die Schließung aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehen, versteht jedoch nicht, warum es genau Hessisch Lichtenau getroffen hat. „Es ist bezeichnend, dass der größte Teil an Einrichtungen im Süden bestehen bleibt.“

Auch Steven Renner vom Verein Lebensqualität (Lequa), der für das Catering im Senkefeld zuständig ist, zeigte sich von der angekündigten Schließung überrascht. „Es waren noch Umbauarbeiten im Gang; kurz, bevor uns die Nachricht erreichte, wurde ein Spielplatz eingeweiht, der durch Sponsoren finanziert wurde.“ Neun Mitarbeiter hatte Renner für die Arbeit im Senkefeld eingestellt, fast alle aus der Arbeitslosigkeit geholt. „Sie haben nicht mal ein Jahr gearbeitet und keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.“

Für viele sei die Schließung nicht nachzuvollziehen, da in der Einrichtung Integration gelebt werde, sagte Angela Lenhoff von der Sicherheitsfirma SD 24, unter deren 66 Angestellten auch Dolmetscher, Reinigungskräfte, Hausmeister und Verwaltungsangestellte sind. Insbesondere für die Reinigungkräfte, die alle älter als 60 Jahre seien, werde es schwer, eine neue Stelle zu finden, sagt Lenhoff, die sich über Jobangebote für ihre Mitarbeiter freut.

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