Wenzels aus Hessisch Lichtenau feiern Diamantene Hochzeit

+
Sie sind seit Kindertagen Freunde und seit 60 Jahren verheiratet: Waltraud und Günter Wenzel aus Hessisch Lichtenau feiern heute ihre Diamantene Hochzeit.

Hessisch Lichtenau. Waltraud und Günter Wenzel stammen aus Schlesien. Als Kinder lernen sie sich im Vertriebenenlager kennen. Heute sind sie 60 Jahre verheiratet und feiern Diamantene Hochzeit.

Waltraud Lange ist gerade mal zehn Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus ihrem Heimatort Fröschroggen vertrieben wird. Nach wochenlanger Reise erreichen sie im Januar 1947 das Lager Martinsrieth am Rande des Südharzes in der ehemaligen DDR. Vier Monate später trifft auch der zwölfjährige Günter Wenzel aus Bad Altheide mit der Familie dort ein. Schnell entwickelt sich zwischen den Müttern der Kinder eine enge Freundschaft, Günters Vater ist bereits im Krieg gefallen. Selbst als die Langes im fünf Kilometer entfernten Sangerhausen ein neues Zuhause finden, bleibt der enge Kontakt zwischen den Familien bestehen. Während Waltraud dort die Schule besucht und nach dem Abschluss in einem Frisiersalon arbeitet, absolviert Günter in Martinsrieth nach der Schule eine Ausbildung zum Modelltischler.

Doch sein Arbeitsverhältnis endet 1954, deshalb entschließt er sich zur Flucht zum Onkel nach Bayern, bei dem er als Tischler sein Geld verdienen kann. Zur Hochzeit seiner Schwester Ende 1955 in Martinsrieth darf Günter in die ehemalige DDR einreisen und lädt Waltraud ein, ihn auf der Feier zu begleiten. Dabei kommen sich die beiden näher. Nach seiner Abreise bleiben sie in engem Briefkontakt. Immer wieder versucht er, sie davon zu überzeugen, ihm in den Westen zu folgen. Unter dem Vorwand, ihre Tante in der Bundesrepublik besuchen zu wollen, steigt sie dann im Mai 1956 in den Zug und hat nur ein Ziel vor Augen: Hildesheim, wo ihr Freund mittlerweile eine neue Arbeitsstelle angenommen hat. Bis sie dort gemeinsam eine Unterkunft finden, überlässt er ihr für ein paar Nächte sein Zimmer und übernachtet selbst beim Arbeitskollegen.

Fünf Jahre ohne Töchter

Pfingstsonntag, 20. Mai 1956, verloben sich die beiden zu Günters 21. Geburtstag. Vier Monate später stehen sie in Hildesheim vor dem Standesbeamten. Die kirchliche Trauung erfolgt im März drauf, vier Wochen nach der Geburt der beiden Töchter. Doch die Wohnverhältnisse zwingen das junge Paar, die Zwillinge schon nach kurzer Zeit in die Obhut von Waltrauds Eltern nach Sangerhausen jenseits der Grenze zu geben. Erst nach fünf Jahren gelingt es ihnen, die beiden Mädchen wieder aus der damaligen DDR zurückzuholen. 1962 ist die vierköpfige Familie in Hildesheim wieder vereint.

1967 legt Günter Wenzel in Düsseldorf seine Prüfung als Tischlermeister ab. Beruflich zieht es die Familie ein Jahr später nach Hessisch Lichtenau. Als beide wieder berufstätig sind, können sie sich 1986 ein Reihenhaus in der Schlesierstraße leisten, das sie bis heute bewohnen.

Ihr Hochzeitsjubiläum wollen Waltraud und Günter Wenzel am Samstag im Kreise der Familie im Haus Hubertus in Velmeden feiern. Besonders stolz sind die beiden Jubilare auf ihre drei Enkel und zwei Urenkel. (zlr)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.