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Vor 30 Jahren: Beim Absturz eines Kampfhubschraubers starben drei sowjetische Soldaten

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Hubschrauberabsturz an der Zonengrenze: Ein Helikopter vermutlich der DDR-Grenztruppen über der Unglücksstelle. © HNA

Eichenberg. Wie ein Stein stürzte am 16. Juni 1983 ein sowjetischer Kampfhubschrauber im Bereich der Grenzsperranlagen bei Eichenberg ab. Die dreiköpfige Besatzung ist vermutlich verbrannt. Wir erinnern an das Drama an der Zonengrenze, das vor 30 Jahren für Aufsehen in der Region sorgte.

"Wir sahen die Rauchsäule hinterm Arnstein schon von der B 27 her": Erwin Schlecht (70), Zollhauptsekretär im Ruhestand aus Witzenhausen, hat die Bilder von damals noch heute vor Augen. Vom Übungsschießen in Bad Sooden-Allendorf kommend, nahmen Schlecht und sein Kollege mit dem Kombi des Zollgrenzdienstes Kurs auf den Bereich zwischen dem Arnstein und dem einstigen Straßenübergang an der Reichsstraße 80 (heute: B 80).

Ein kleiner Fußmarsch war nötig, um zwischen Saugraben und Stürzlieder Berg näher ans Geschehen zu kommen. Jenseits der Grenzzäune rauchten die Trümmer einer Mi 24, einem Kampfhubschrauber der sowjetischen Streitkräfte.

Kurz nach 13 Uhr: Ein Beamter des benachbarten Zollkommissariats Bremke, der in Neu-Eichenberg wohnt, wird durch den Rauch auf das Unglück aufmerksam und alarmierte die Polizei. Die Polizei gibt, wegen eines vermuteten Flugzeugabsturzes, Großalarm: Im nördlichen Werra-Meißner-Kreis heulen die Sirenen. Feuerwehren und Rettungswagen steuern den Bereich Arnstein an.

Erst, als sich herausstellt, dass sich die Absturzstelle auf Thüringer Seite befindet, drehen die Helfer aus Hessen ab. Hingegen eilen immer mehr Beamte von Zoll und BGS sowie Angehörige der US-Armee zur Zonengrenze. Schlecht erinnert sich: "Da war richtig was los." Die Amis kamen mit Hubschraubern, der BGS mit schweren Einsatzfahrzeugen.

Viele Menschen hatten den Absturz - angeblich fiel der Hubschrauber aus 200 Metern Höhe wie ein Stein zu Boden - beobachtet: Von Eichenberg aus Beschäftigte eines Saatgutunternehmens, jenseits der Grenze Arbeiter, die Kabelgräben aushoben. Sie konnten nicht helfen. Nur ein Soldat der DDR-Grenztruppe, offenbar auf Streife, unternahm mit einem Feuerlöscher erste Löschversuche.

Weitere Helfer hielten sich im Schutz der Bäume zurück, wohl auch aus Angst vor Explosionen. Denn auch die Notärztin des vorsorglich alarmierten Rettungshubschraubes Christoph Göttingen konnte Explosionen ausmachen. Von Rettungsbemühungen, so die Medizinerin, war jedenfalls drüben zunächst nicht zu sehen.

Vermutlich, so auch der Zollbeamte Schlecht und Ermittler der bundesdeutschen Grenzbehörden, war Bord- oder Leuchtmunition hochgegangen. Nach Zeugenaussagen von damals soll es 70 Explosionen gegeben haben. Die vermutlich dreiköpfige Besatzung ist wohl bei dem Unglück verbrannt.

Mit Verzögerung reagierten die DDR-Grenztruppen und die Rote Armee auf den Zwischenfall: Immer mehr Offiziere tauchten im Grenzabschnitt auf. Mit Nebelkerzen wurde versucht, den Beobachtern auf bundesdeutscher Seite die Sicht zu nehmen. Zusätzlich wurde bis zum Abend mit Zelten und Planen eine Art Wagenburg errichtet. Einen Tag später, im Westen war es der Tag der deutschen Einheit, gab es eine Nachsuche. Alle Trümmer wurden auf DDR-Seite gesichert und zu weiteren Untersuchungen verpackt, notierten Zoll und BGS. (nh)

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