Jugendliche stellten ihr Filmprojekt „Leben“ im Capitol-Kino vor

Das Filmteam mit den Hauptdarstellern: In einem Filmprojekt haben 13 Jugendliche mit und ohne Behinderung mit Hilfe der Medienpädagogen Christoph Ternes (von rechts) und Steffi Thon sowie der Leiterin des Kinder- und Jugendbereichs in den Werraland Werkstätten, Jutta Böhler-Schmidt emotionale Erlebnisse ihres Lebens verfilmt. Foto: Neugebauer

Witzenhausen. Ein bisschen Glamour von Hollywood war am Sonntagnachmittag vor dem Capitol Kino in Witzenhausen zu spüren, als hunderte Zuschauer den Straßenrand säumten, der rote Teppich ausgerollt wurde und zwei weiße Stretch-Limousinen vorfuhren.

Ihnen entstiegen aber nicht etwa Sandra Bullock oder George Clooney sondern 13 Jugendliche mit und ohne Behinderung, die mit ihren Betreuerinnen und professioneller Hilfe ein Filmprojekt mit dem Titel „Leben“ produzierten und zur Premiere ihres Kurzfilms angereist waren.

Begonnen hatte das Filmprojekt der Werraland-Werkstätten mit Heimkindern des Burgenhofes Witzenhausen und des Werner-Seeger-Hauses in Reichensachsen als Inklusionsprojekt 2013. Jeder Jugendliche sollte eine persönliche Geschichte erzählen, die ihn emotional sehr berührt hatte und heute noch beschäftigt. „Es waren auch wirklich sehr harte Geschichten dabei“ sagte die Leiterin des Kinder- und Jugendbereichs in den Werraland-Werkstätten, Jutta Böhler-Schmidt.

Musik selbst komponiert

Aus diesen Geschichten wurde mithilfe der Medienpädagogen Christoph Ternes und Steffi Thon ein Drehbuch mit den Erlebnissen der Jugendlichen zusammengestellt. „Dabei wurde streng darauf geachtet, dass keiner seine eigene Rolle spielt“, sagte Thon im anschließenden Filmgespräch. Die Geschichte erzählt von den Erlebnissen eines Geschwisterpaares, das durch Selbstverstümmelungen und Entwürdigungen ihrer alkoholabhängigen Mutter emotional hin und hergerissen ist. Sie erzählen von Mobbing im Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch von der Stärkung der eigenen Persönlichkeit durch die Betreuer eines Kinderheims und durch die Erlebnisse anderer Heimkinder. Auch die Filmmusik „Feuerengel“ wurde selbst komponiert und getextet und passte zu den emotionalen Darstellungen im Film.

Auf Urlaub verzichtet

Die Jugendlichen und Betreuer waren von dem Filmdreh begeistert und würden sofort mit einem zweiten Teil beginnen. Jan hat sogar einen Familienurlaub platzen lassen, nur um an den Drehtagen dabei zu sein. Auch Max war froh, dass er mitgemacht hat, auch wenn es ihm am Anfang schwer gefallen sei, in die Rolle eines anderen zu schlüpfen.

Sarah Malzfeld, eine der Betreuerinnen im Werner-Seeger-Haus, spielte die betrunkene Mutter und ist verdammt stolz auf die Jugendlichen. Für das ein oder andere Verhalten als betrunkene Mutter hat sie sich hinterher noch bei den Jugendlichen entschuldigt, da solche Szenen ganz und gar nicht in ihre Welt gehörten. Sabrina Heine vom Burgenhof empfand es als „ein saugutes Gefühl“ zu sehen, wie die Jugendlichen bei diesem Projekt immer mehr zusammenwuchsen und ihren Spaß hatten. „Den Applaus und den Ruhm der über 200 Zuschauer bei der Filmpremiere hatten sie sich deshalb mehr als verdient“, sagte Heine. (znb)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.