Jungjäger erhalten Jägerbrief auf Burg Ludwigstein

Zeremonie: Bettina Schmittke schlägt mit einem Hirschfänger genannten Messer Klaus-Dieter Köhler zum Jäger. Mit 62 Jahren ist er der Älteste unter den Jungjägern. Fotos:  Skupio

Burg Ludwigstein. Wenn sie sich nicht absolut sicher sind, schießen sie nicht: Das ist eine der wichtigsten Lektionen der zehn Jungjäger, die am Freitag ihren Jägerbrief erhalten haben.

„Der erste Schlag soll dich zum Jäger weihen, der zweite Schlag dir Waidgerechtigkeit verleihen, der dritte Schlag sei ein Gebot: Was du nicht kennst, das schieß nicht tot."

Mit diesem und einem zweiten Spruch wurden zehn Jungjäger des Jagdvereins Hubertus Witzenhausen am Freitag im Rittersaal der Burg Ludwigstein zum Jäger geschlagen. „Ihr könnt nun erklären, warum ein weibliches Reh mehr als neun Monate schwanger ist und anerkennende Blicke ernten, weil ihr den Vogel erkennt, der in eurem Garten singt“, sagte Christoph Lahmann, der mit Reiner Kampmann die Ausbildung übernommen hatte. Um auch denjenigen gerecht zu werden, welche die Jagd kritisch sehen, sei ein Höchstmaß an Verantwortung und Disziplin erforderlich, ermahnte Lahmann die Jäger. Nachdem die sechs Frauen und fünf Männer zwischen 17 und 62 Jahren ihr Gelöbnis abgelegt hatten, spielte das Bläsercorps des Jagdvereins „Blattschlagen“.

Ehemann war ihr Vorbild

Über ihren Mann Johann - ein selbstständiger Forstwirt und Jäger - ist Sandra Wallner zur Jagd gekommen. 13 Jahre nach ihm legte die Ellingeröderin nun die Jägerprüfung ab. „Mein Mann kommt aus Österreich und da fiel es ihm leichter, wenn ich ihm den theoretischen Teil für die Jagdprüfung vorgelesen habe“, erklärt die 42-Jährige, wie sie erstmals mit dem Thema in Berührung kam. Nach dessen Prüfung begleitete sie ihren Mann bei Drückjagden und Revierarbeiten. Einen eigenen Jagdschein machte Wallner ihrer damals noch kleinen Kinder zuliebe aus Zeitgründen nicht. „Die Liebe ist jedoch nie weniger geworden“, weshalb sie nun die Prüfung ablegte.

„Die Hege, das Beobachten, die Artenvielfalt von Tier- und Pflanzenwelt - das Gesamtpaket macht mir Freude“, sagt Wallner. Ein besonders schöner Moment sei, wenn sie auf dem Hochsitz Wald und Feld erwachen sehe, die Vögel zwitschern und die Ricke mit ihren Kitzen rauskommen würde.

Auf Drückjagden sei die Gesellschaft toll, „wie eine große Familie“. Auch das Ausnehmen bereitet ihr keine Probleme: „Wenn das Tier erlegt ist, ist es für mich Lebensmittel.“ Ihren ersten Rehbock hat Wallner bereits erlegt. „Das war ein sehr emotionales Erlebnis für mich; man gibt den Schuss nicht mehr auf eine Scheibe, sondern auf ein Lebewesen ab.“ Es sei nie nur ein Draufhalten und Schießen. „Selbst als ich einen jungen Keiler gut als solchen erkannt habe, gingen mir Fragen durch den Kopf: Ist es nicht doch ein weibliches Tier und hat irgendwo Frischlinge?“ Wallner weiß, sie wird noch häufig in solche Situationen kommen. „Im Zweifel heißt es: Finger gerade lassen.“

Unschön, wenn Wild leidet

Bei der Mitarbeit im Revier ihres Mannes hat Wallner auch schon unschöne Erfahrungen machen müssen: „Mähopfer oder angefahrenes Wild, das leidet, lässt bei einem Jäger einiges hochschlagen.“ Wenn ein Kitz klage, sei das genauso herzzerreißend, wie wenn ein Kind schreie.

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