Modellprojekt in NRW

Schwer umsetzbar: Keine Gleitzeit an Schulen im Werra-Meißner-Kreis

Werra-Meißner. In Nordrhein-Westfalen wird der Unterrichtsbeginn in einem Modellprojekt flexibel sein - im Werra-Meißner-Kreis hat dieser Ansatz aber wohl keine Perspektive.

Wenn sie wollen, dürfen Oberstufenschüler aus dem nordrhein-westfälischen Alsdorf bei Aachen ab sofort länger schlafen. Nach einer Testphase beginnt der Unterricht dort entweder um 8 Uhr oder erst gegen 9 Uhr. Freistunden sollen zum Lernen genutzt werden. Wir fragten bei Schulen im Kreis nach, ob das Modell auch hier umsetzbar ist.

„Ich halte es für problematisch, da es der Nahverkehr für uns nicht hergibt“, sagt Dr. Jörg Möller, Direktor der Bad Sooden-Allendorfer Rhenanus-Schule. In städtischen Regionen sei eine solche Regelung eher machbar. Für die Rhenanus-Schule sei er „heilfroh“, dass nach der Fahrplanumstellung zum neuen Schuljahr der Transport der Schüler zur ersten und zweiten Stunde in trockenen Tüchern sei.

„Ich finde die Idee gut“, sagt Christoph Matt, Schulleiter in Vertretung an der Großalme-röder Valentin-Traudt-Schule. Gerade in der Pubertät ticke der Bio-Rhythmus von Jugendlichen anders. Er selbst habe das Modell an der Nachbarschule seines vorherigen Einsatzortes in Kassel beobachten können. Allerdings sei die Organisation nicht einfach, da auch freies Lernen beaufsichtigt werden müsse, was im Lehrplan nicht vorgesehen sei.

Auch die Schulleiterin der Anne-Frank-Schule in Eschwege, Kerstin Ihde, kann sich das Gleitzeit-Modell grundsätzlich vorstellen. „Aber da hängt viel Organisatorisches dran. Man müsste so etwas mit allen Schulen im Kreis absprechen und die Schüler befragen.“

Für Jugendliche, die früh in der Schule ankommen, gibt es an der Anne-Frank-Schule den „offenen Anfang“: Die Klassenräume werden ab 7 Uhr aufgeschlossen, Schüler können sich unter Aufsicht selbst beschäftigen. Ihde sagt: „Manche Schüler sind in der Pubertät um 8 Uhr einfach noch nicht ansprechbar. Dieses Problem könnte man so umgehen.“

Auf Busfahrplan angewiesen

In der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau werde grundsätzlich über das Thema „Rhythmisierung“ nachgedacht, so Schulleiter Burkhard Wiebers. Dabei gehe es beispielsweise auch um flexible Ankommenszeiten mit Angebot und einen gemeinsamen Schulstart. Das Angebot des Alsdorfer Gymnasiums könne als Anregung in die Diskussion einfließen.

Für schwer verwirklichbar hält Dr. Antje Fenner, stellvertretende Leiterin der Johannisbergschule in Witzenhausen das Modell - zumindest im traditionellen Schulbetrieb. Auch da die Schulen auf bestimmte Busverbindungen angewiesen seien. Eine Umsetzung der Gleitzeit sei an der Adam-von-Trott-Schule in Sontra ebenso wie an der Südringgauschule Herleshausen nicht möglich.

Ursula Rauschenberg, Rektorin in Herleshausen, sagt: „Manche unserer Kollegen sind im Grund-, Mittelstufen- und Realschulbereich tätig. Sie müssen flexibel bleiben.“ Für einige Schüler beginnt der Schultag hier schon morgens um 7 Uhr mit der Grundschulbetreuung. Außerdem sei man auf den Busfahrplan angewiesen.

Rubriklistenbild: © dpa

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