Gäste aus aller Welt

Märchenweg Grimmsteig hat bei Wanderern stark an Beliebtheit gewonnen

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Naturerlebnis pur: Wanderführer Carsten Noll (links) ist mit einer Wandergruppe bei Hausen in Richtung Velmeden unterwegs. Der facettenreiche und abwechslungsreiche Wanderweg fasziniert den 48-Jährigen von Anfang an. Unser Foto entstand nahe des Gelengenweges in Richtung Landesstraße 3249.

Werra-Meißner. Märchen spielen nicht an bestimmten Orten, sondern in unserer Fantasie. Doch auf dem Grimmsteig sind sie irgendwie lebendiger. Bei Wanderern wird er immer beliebter.

Davon profitiert auch das Gaststättengewerbe. Über 84 Kilometer schlängelt sich der Weg zwischen Meißner und Kaufunger Wald. Auf den einsamen Pfaden in der Söhre kann der Wanderer sich vorstellen, wie der böse Wolf das Rotkäppchen überraschte. An der Burgruine in Reichenbach könnte Rapunzel ihr Haar heruntergelassen haben. Und wo, wenn nicht auf dem höchsten nordhessischen Berg, sollte Frau Holle ihre Betten schütteln.

Seit 2011 bringt der Grimmsteig Wanderer zu Plätzen, an denen die Märchen der Grimms gespielt haben könnten, an denen die Brüder selbst wanderten und mit denen sie ein Heimatgefühl verbanden.

„Die Ruhe und Einsamkeit, aber auch die Schönheit der Landschaft mit schwermütigen Wäldern, weiten Wiesen und schönen Ausblicken zeichnen den Weg aus“, sagt Carsten Noll. Der 48-Jährige ist seit zehn Jahren Führer der Wanderschule Nieste und seit drei Jahren Event-Manager der Grimmsteig-Touristik.

Vor allem Individualtouristen ab 30 Jahren nutzen den Grimmsteig, dessen Potenzial sich langsam entfaltet. Denn seit Wandern Trecking heißt, ist die Bewegung im Freien bei jüngeren Leuten modern geworden. Davon profitieren auch Herbergen und Einkehren entlang der Strecke. „Wir haben seit Eröffnung des Wegs viele Gäste aus Amerika, Holland und Dänemark, die das Märchenthema und die Landschaft reizt“, sagt Heidi Burgener vom Haus Hubertus in Velmeden. Der Landgasthof ist Grimm-Herberge und bietet Wanderverpflegung sowie Gepäcktransport zum nächsten Übernachtungsort an.

Ein Plus an Gästen verzeichnet auch Hans-Peter Gröling, Inhaber der Grimm-Einkehr Berggasthof Meißner. Zur Hauptsaison hat er oft täglich Gruppen, die bei ihm speisen. Gastronomisch könne das Potenzial des Grimmsteigs noch besser genutzt werden, indem man sich zusätzlich auf Wohnmobilisten, Motorrad- und Fahrradfahrer konzentriere. „Der klassische Rucksackwanderer ist heute selten. Die Menschen, die heute solche Touren machen, sind fitte, gut informierte und oft betuchte Senioren“, so sein Eindruck.

Verwunschen liegt der Campingplatz Grundmühle mit Restaurant bei Quentel. Hier kocht Betreiberin Martina Winkler und sagt: „Die Essengäste haben durch Wandergruppen definitiv zugenommen.“ Wanderer, die in Zelten oder Wohnwagen übernachten, erhalten Frühstück und Verpflegung - gern auch zünftig: Auf der Karte stehen deftige, zwiebelreiche Gerichte wie Hosenjodler. „Auch außerhalb der Öffnungszeiten lassen wir niemanden hungrig vor der Tür stehen“, sagt Winkler.

„Das stimmt“, bestätigt Helmut Lippert, Geschäftsführer der Grimmsteig-Touristik. Denn bevor ein Gasthof zur Grimm-Einkehr ernannt wird, kommen er und seine Mitarbeiter inkognito zu Besuch, spielen „schwieriger Gast“ und prüfen alles auf Herz und Nieren. „Uns ist wichtig, dass unsere Gastgeber die Idee des Wanderwegs mittragen“, sagt Lippert.

Hintergrund: Wandern mit Genuss

Das Wandererlebnis Grimmsteig lädt mit fünf Tagesetappen zum Genusswandern ein. 84 Kilometer sind zu laufen, zuzüglich 43 Kilometer Zubringer und Stichwege, und 2400 Höhenmeter im Anstieg zu überwinden. Wer sich über geführte Tages- oder Mehrtagestouren sowie Wanderungen in Einzel- und Kleingruppen informieren will, wird im Internet unter www.grimmsteig.de fündig. Die Wanderschule Nieste bietet zudem Themenseminare, Erlebnistouren und Wanderbegleitung an. Infos & Buchung: Tel. 0 56 05/92 52 18 und im Netz www.wanderschule-nieste.de

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