Deutschlandweit brachen die Spenderzahlen massiv ein, als bekannt wurde, dass Mediziner in drei Transplantationszentren, unter anderem in Göttingen, Patientenakten gefälscht hatten, um ausgewählte Patienten bevorzugt mit Spenderorganen zu versorgen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation spricht von einem "dramatischen Tiefstand". Die Zahl der Organspenden sei derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 2002. Entgegen dem deutschlandweiten Trend ist in Hessen die Zahl der Organspender stabil geblieben. Im vergangenen Jahr wurden 83 Spendern Organe entnommen, im Jahr zuvor waren es 81.
Im Klinikum Werra-Meißner wurden dreimal in den vergangenen fünf Jahren Spenderorgane entnommen. Das wirke auf den ersten Blick nicht viel, sagt Transplantationsbeauftragter Selhorst-Kiss, aber für ein Krankenhaus ohne Neurochirurgie sei das "nicht unbeachtlich".
Selhorst-Kiss stellt fest, wer von den im Sterben liegenden Patienten als Spender in Frage käme. Viele hätten aber keinen Organspendeausweis. "Der Tod wird weggeschoben, das ist unser Hauptproblem", sagt Stefan Selhorst-Kiss. Viele Menschen seien nicht bereit sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen und eine Entscheidung für oder gegen die Organspende zu treffen.
Selhorst-Kiss plädiert deshalb für eine geänderte gesetzliche Regelung, um dem Engpass an Spenderorganen zu begegnen: "In Spanien und Österreich beispielsweise gilt jeder als potenzieller Spender. Es sei denn er schließt es ausdrücklich aus." (akh/D.S./wr)
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