VR-Bank schließt weitere Filialschließungen nicht aus

Niedrigzins zwingt auch Banken im Kreis zum Handeln

Werra-Meißner. Die derzeit historisch niedrigen Zinsen stellen auch die Regionalbanken im Landkreis vor eine Herausforderung.

Erschwerend kommt hinzu, dass den Banken durch immer neue Gesetze und Verordnungen mehr Aufwand und somit höhere Kosten entstehen.

Dies führt dazu, dass sich derzeit alle Banken mit der Zukunft beschäftigen, sagt Stefan Fross, Vorstand der VR-Bank Werra-Meißner. „Unter anderem wird das Geschäftsstellennetz überprüft - das tun wir aktuell auch.“ Erst vor einem Monat wurde die Filiale in Netra in einen SB-Standort umgewandelt, ein zweiter befindet sich an der Marktstraße in Eschwege. Die VR-Bank hat somit noch neun Geschäftsstellen im Kreis, vor fünf Jahren waren es noch zwölf, vor zehn noch 13. Eine Prognose, wie das Filialnetz in den kommenden Jahren aussieht, traut sich die VR-Bank derzeit nicht zu. Man gehe aber davon aus, dass „sich der Trend zur Reduzierung der Geschäftsstellen fortsetzen wird“. Gemäß der „Vorstellung eines fairen und ehrlichen Umgangs“, wolle man dies den Kunden auch offen kommunizieren.

„Kaputtsparen ist für uns keine Option“, sagt Ulrich Siebald, Sprecher der Sparkasse Werra-Meißner. Der Niedrigzins sei eine Herausforderung, die habe es aber zu jeder Zeit gegeben - wie mit der Finanz- und der Vertrauenskrise auch. Regulierung und Niedrigzinsphase seien Rahmenbedingung, mit denen sie umgehen müssten. Beides könne kein Maßstab für die Anzahl der Geschäftsstellen sein. Es sei Teil des wirtschaftlichen Handelns, sich immer wieder Angebote einfallen zu lassen, um eine Auslastung hinzubekommen.

„Entgegen der großen Politik gehen wir davon aus, dass Filialen künftig ein Alleinstellungsmerkmal sein werden“, sagt Siebald. Filialschließungen seien bei der Sparkasse daher keine absehbar. Derzeit hat die Sparkasse 16 Filialen (zwischen 2006 und 2011 waren es 19), 23 Geldautomaten sowie sieben SB-Center.

Obwohl die Digitalisierung vieler Aufträge und Prozesse voranschreitet und mittlerweile 40 Prozent der Überweisungen über Online-Banking laufen, will die Sparkasse Werra-Meißner ihr Filialnetz für ihre 70 000 Kunden aufrechterhalten. „Unsere Kunden sollen sich selbst aussuchen, wie sie bedient werden möchten; wir wollen niemanden zu irgendetwas erziehen - auch keine älteren Kunden“, sagt Ulrich Siebald, Sprecher der Sparkasse Werra-Meißner.

Die 16 Filialen im Kreis seien laut Siebald für die Sparkasse notwendig. Zusätzlich fahre die Überlandsparkasse seit 2008 einmal wöchentlich neun Orte im Kreis an. In der rollenden Filiale gebe es alles außer Bargeld vom Schalter, dieses müsse über einen Automaten im Fahrzeug abgehoben werden.

Eine entsprechende Frequentierung der Filialen, die von jedem Kunden nur maximal sieben Kilometer entfernt liegen würden, sei laut der jüngsten Analyse gegeben. Um diese weiterhin aufrecht zu erhalten, überlege sich die Sparkasse momentan Zusatzangebote und zeitgemäße Aktualisierungen für die Filialen.

Einsparungen in Form von Rückbau soll es bei den Mitarbeitern keine geben. „Wir spüren nicht, dass wir mit wesentlich weniger auskommen würden“, sagt Siebald. Stattdessen wolle man interne Abläufe außerhalb des Kundenbereichs verschlanken. Auch der Bestand der 23 Geldautomaten sei aus heutiger Sicht nicht gefährdet. Allein aus Sicherheitsgründen gebe es keine Briefkästen für Überweisungsträger bei den Automaten. „In Kassel gab es Fälle, wo Kriminelle mit OP-Besteck Überweisungsträger aus den Kästen gefischt haben.“

Bei der VR-Bank Werra-Meißner werden ebenfalls keine Briefkästen mehr an SB-Standorten angeboten. Als Gründe hierfür nennt Stefan Fross vom Vorstand zum einen eine „extrem geringe Nutzung“ und zum anderen die Logistikkosten, da die Kästen laut Gesetzgeber täglich geleert werden müssten.

Um Niedrigzinsphase und Regulierung durch den Gesetzgeber zu kompensieren, wird die VR-Bank laut Fross in den nächsten Jahren ihre Geschäftsstellen vermutlich weiter reduzieren müssen. Der Strukturwandel werde auch bei den Geldautomaten erfolgen - allerdings nicht mit der gleichen Geschwindigkeit. Durch die Installation weiterer Bargeldstationen habe der Kunde jedoch kaum Nachteile. „Hinsichtlich der Bargeldversorgung über den Einzelhandel sind wir in unserer Region mit elf Nah-und-Bar-Standorten Vorreiter.“

Von den gut 40 000 Privatkunden nutzen laut Fross 68 Prozent Online-Banking. Durch Digitalisierungen wie diese habe sich die Anzahl der Mitarbeiter bei allen Banken in den vergangenen Jahren kontinuierlich reduziert. Da Finanzgeschäfte komplexer würden, habe man in diesem Bereich in der Vergangenheit hingegen Personal aufgebaut.

Rubriklistenbild: © Foto:  dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.