Fusion der Kirchenkreise Witzenhausen und Eschwege für 2020 geplant

Nur noch ein Kirchenkreis Werra-Meißner? Synodale stimmen ab

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Wollen neue Wege beschreiten: (von links) Präses Ludger Arnold, Präses Ronald Gundlach und die Dekane Ulrike Laakmann und Martin Arnold bereiten sich auf die Fusion der Kirchenkreise vor.

Werra-Meißner. Über die für 2020 geplante Fusion der Kirchenkreise Witzenhausen und Eschwege werden am Mittwoch 174 Synodale während der Kreissynode in Bad Sooden-Allendorf abstimmen.

„Seit Jahrzehnten haben wir in beiden Kirchenkreisen einen Rückgang an Mitgliedern zu verzeichnen“, begründet der Eschweger Dekan Martin Arnold den Beschlussvorschlag. Aufgrund des demographischen Wandels habe die Landeskirche 2009 beschlossen, dass ab 2017 ein Kirchenkreis mindestens 25 und maximal 40 Pfarrstellen haben soll. Eschwege liege derzeit noch über der Mindestzahl, Witzenhausen bereits darunter. Man habe sich daher dazu entschieden, den Prozess aktiv mitzugestalten und nicht darauf zu warten, dass die Zusammenlegung von oben erfolge, sagt Ronald Gundlach, Präses des Witzenhäuser Kirchenkreises. Da die Fusion nicht aus heiterem Himmel komme, sondern das Ergebnis beider Kirchenkreisvorstände sei, rechnet Arnold nicht mit einer „Fundamentalopposition“.

Nach der Zustimmung soll eine Steuerungsgruppe aus beiden Vorständen bis 2019 Konzepte entwickeln. Das ambitionierte Ziel sei, dass nicht nur fusioniert werde, sondern dass „ein neuer, zukunftsfähiger Kirchenkreis entsteht“, sagt Arnold. Als externer Berater steht das Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision (IPOS) zur Seite.

Synergien, die sich in Geld ausdrücken, seien durch die Fusion nicht zu erwarten. „Kirchenkreisamt und Diakonie sind bereits zusammengelegt“, sagt der Eschweger Präses Ludger Arnold. Weitere Kooperationen bei Kirchenmusik und Jugendarbeit seien inhaltliche, aber keine finanziellen Gewinne. Auch werde kein Dekan eingespart. Vielmehr ist laut Witzenhausens Dekanin Ulrike Laakmann eine Doppelspitze wie im Kirchenkreis Hanau denkbar.

Auswirkungen auf die Gemeindeglieder hat die für 2020 geplante Fusion der Kirchenkreise Witzenhausen und Eschwege laut dem Eschweger Präses Ludger Arnold zunächst keine. „Ob sich mittel- oder langfristig welche ergeben, wissen wir nicht.“

Generell seien Kirchenkreise eine Unterstützung für die Kirchengemeinden und würden gebraucht, sagt Eschweges Dekan Martin Arnold. Es sei wichtig, die vielen Anliegen zu hören, aufzugreifen und zu bearbeiten. „Wir müssen verhindern, dass sie ins Leere laufen, denn dann fehlt etwas in der Kirche.“ Daher sei es notwendig, dass die Wege trotz der großen Entfernung kurz bleiben, stimmt Ulrike Laakmann, Dekanin im Kirchenkreis Witzenhausen, zu. „Selbst die Fusionen von Banken und Feuerwehren - die sich anfangs schwierig gestaltet haben - sind heute etabliert“, zeigt sich der Witzenhäuser Präses Ronald Gundlach optimistisch - zumal die Kirche wesentlich kleinteiligere Strukturen habe.

Allen ist an „einer echten Kooperation, einem echten Miteinander“ gelegen. „Wir wollen keine Hinterzimmerpolitik betreiben und die Menschen nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, sagt Präses Arnold. Man wolle ihnen vielmehr Zeit geben, den Schritt mitzugehen und sich selbst Zeit nehmen, die Erfahrungen anderer auszuwerten.

„Wir sind bereits in Gesprächen mit den Kirchenkreisen Wolfhagen und Hofgeismar sowie Bad Hersfeld und Rotenburg, bei denen die Planungen für die Fusion schon weiter fortgeschritten sind“, sagt Laakmann. Der Kirchenkreis Fritzlar/Homberg sei hingegen ein Negativbeispiel, da dort erst die Fusion vollzogen wurde und jetzt überlegt werde, wie sie konkret aussehen soll.

Wie viele Synodale der gemeinsame Kirchenkreis haben wird, ist noch offen. Derzeit kommen pro Pfarrstelle zwei Laien und der Pfarrer zur Synode zusammen, insgesamt 174 Personen. „Wenn sich die neu gebildeten Strukturen in den Kirchspielen etabliert haben und sich alle besser kennen, kann man auch besser über Repräsentanz sprechen“, sagt Präses Ludger Arnold. Der Kirchenkreis Mühlhausen, der in den 90er-Jahren entstanden ist und von Heiligenstadt über Mühlhausen nach Bad Langensalza reicht, hat beispielsweise 60 Synodale. Die Landessynode besteht aus 100 Mitgliedern.

Pro Taufe zwei Bestattungen

Von 2009 bis 2015 ist die Zahl der Mitglieder im Kirchenkreis Eschwege von gut 42.000 auf knapp 38.000 zurückgegangen. Der Kirchenkreis Witzenhausen hat im gleichen Zeitraum 3000 Mitglieder verloren und lag im vergangenen Jahr noch bei 26.500.

Hauptursache für den Mitgliederschwund ist der demographische Wandel: Der Kirchenkreis Eschwege verzeichnet beispielsweise fast doppelt so viele Beerdigungen wie Taufen. So wurden vor drei Jahren 571 Mitglieder bestattet. Demgegenüber standen lediglich 303 Taufen. Im Kirchenkreis Witzenhausen standen im gleichen Jahr sogar 437 Bestattungen 169 Taufen gegenüber.

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