Edelgard Ewald betreute öffentliche Toilettenanlage am Scheiderasen zehn Jahre lang ehrenamtlich

Örtchen dicht wegen 52 Euro

Schon verrammelt: Die Türschlösser der Toilettenanlage am Eichweg sind nicht mehr zugänglich, was Edelgard Ewald und Rosemarie Gries bedauern.
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Schon verrammelt: Die Türschlösser der Toilettenanlage am Eichweg sind nicht mehr zugänglich, was Edelgard Ewald und Rosemarie Gries bedauern.

Bad Sooden-Allendorf. Es geht nur um 52 Euro im Monat. Würden die bezahlt, könnte die öffentliche Toilettenanlage an der Ecke Am Scheiderasen/Eichweg im Stadtteil Allendorf weiterhin geöffnet bleiben.

Doch die Stadt übernimmt die Kosten für Strom (39 Euro) und Wasser (13 Euro) ab diesem Jahr nicht mehr – zum Verdruss insbesondere des Ehepaars Edelgard und Karl Ewald.

Rigoroses Sparen ist im Rathaus angesagt. Derzeit wird ein Konzept erarbeitet, wie die Sache mit den stillen Örtchen in der Badestadt in Zukunft laufen soll. Vorerst bleibt die Toilette direkt neben dem Kinderspielplatz am Scheiderasen – auch über seine Zukunft wird derzeit im Rathaus nachgedacht – jedenfalls zu. Die Schlösser wurden von der Stadt verrammelt.

Aktualisiert um 11.40 Uhr

„Wir wollen, dass die Toilette erhalten bleibt“, sagen die Ewalds – und mit ihnen unter anderem auch Rosemarie und Bernd Gries, Claudia und Dieter Ewald. Das haben sie schon einmal gesagt, ungefähr vor zehn Jahren.

Da war das noch vor 1960 errichtete Toilettenhäuschen nicht nur veraltet und sanierungsbedürftig, sondern auch richtig verkommen – und sollte abgerissen werden. Durch Initiative einiger Bürger, darunter der Ewalds, wurde das Örtchen dann nach und nach total modernisiert und behindertengerecht ausgebaut.

Edelgard Ewald übernahm die Patenschaft, bei einem jährlichen Ostermarkt in der Eichwegsiedlung wurde Geld erwirtschaftet für die Sanierung und den Betrieb. Zu Ostern 2010, also erst vor drei Jahren, wurde die sanierte Anlage stolz an die Stadt übergeben. Gut 10.000 Euro wurden hineingesteckt, vieles über Sponsoren und in Eigenleistung gemacht. Nur Material musste gekauft werden.

Die 69-jährige Edelgard Ewald, die gegenüber dem Örtchen wohnt, schloss bislang morgens um 7 Uhr auf und abends mit Einbruch der Dunkelheit wieder ab, machte sauber, tauschte Handtücher aus, füllte den Seifenspender auf und ergänzte fehlendes Toilettenpapier – alles ehrenamtlich, seit zehn Jahren. Die Stadt musste bislang nur Strom und Wasser bezahlen - gerade einmal gut 50 Euro pro Monat. Nun soll Ewald auch noch die 50 Euro selbst bezahlen, „das geht nicht“, sagen Edelgard und Karl Ewald. „Das sehen wir auch nicht ein.“

Aber wenn irgendjemand für Strom und Wasser aufkommt, „dann machen wir wie gewohnt weiter“, hoffen sie auf einen Sponsor. Denn das Toilettenhäuschen werde nicht nur von Spielplatzbenutzern und einigen Kurgästen, sondern auch von mancher Busgesellschaft, die zum Grenzmuseum unterwegs ist, gern genutzt.

Es sei eine der WC-Anlagen, die nur wenig genutzt werden, meint hingegen Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix (CDU), der für den Einsatz der Ewalds aber ein großes Dankeschön äußert. Und während der Siedlerkirmes würden extra Toilettenwagen aufgestellt, sieht er keine Notwendigkeit des Erhalts. Sollte jemand die Anlage aber ohne Kosten für die Stadt betreiben wollen, sei das okay.

Von Stefan Forbert

Sponsor gesucht

Also muss nun ein Strom-und Wasser-Sponsor für die Eichweg-Toilette gefunden werden. Kontakt: Edelgard und Karl Ewald, Tel. 0 56 52 / 10 14

Lillimarlen
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Recht hat das Ehepaar Ewald! Für engagierte ehrenamtliche Arbeit für die Allgemeinheit erhält es aber immerhin ein "großes Dankeschön" vom Bürgermeister. Hauptsache, die Vorgaben des hess. Finanzministers für den "Kommunalen Schutzschirm" werden eingehalten. Sicher erhält das Stadtparlament in BSA noch eine Auszeichnung für die Schließung der öffentlichen Toiletten - und für die Einsparung von 58 Euro für dieses eine Klo. Schlimmer geht`s nimmer!

SonnenwirbeleAntwort
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Münzeinwurf - das stammt aus der grauen Vorzeit, denn das System ist anfällig für Diebe und Automatenknacker: wer will wohl dann für die Folgekosten aufkommen?

Sonnenwirbele
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Wie kreativ sind die Entscheidungsträger eigentlich? Schon mal ein Brainstorming gemacht?

Beim Parken gibt es doch die Möglichkeit, per SMS die Parkgebühr zu entrichten. Wieso wird nicht (als Alternative für Handy-Träger) dieses System für öffentliche WCs eingeführt?

Ansonsten gilt weiterhin: die 'Nette Toilette' (wie in Hann. Münden sehr erfolgreich praktiziert) - ein klasse System mit toller Außenwirkung, das die Menschenwürde weder von Passanten noch Touristen mit Füßen tritt, denn: die Notdurft menschenwürdig verrichten zu können, hängt eng mit der Beachtung von Artikel 1 unseres Grundgesetzes zusammen. Schon mal darüber nachgedacht in den Entscheidungsgremien?

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