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Angeblich NPD-naher Reservist aus Nieste war Vorsitzender der CDU

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Im Fokus: Reservist Michael L. aus Nieste soll sich 2008 um die Aufnahme in die rechtsextreme NPD bemüht haben. © Archivfoto: nh

Nieste. Der Reservist aus Nieste, der sich nach Recherchen des Hessischen Rundfunks 2008 um die Aufnahme in die rechtsextreme NPD beworben haben soll, ist politisch kein unbeschriebenes Blatt.

Michael L., der Mitglied der im Werra-Meißner-Kreis angesiedelten Reservisten-Marschgruppe Hürtgenwald sein soll, war vor einigen Jahren in der Niester CDU aktiv. Ende 2005 wurde er sogar zum Vorsitzenden des Ortsverbands der Partei gewählt. Im Juli 2008 trat er aus der CDU aus.

Für Schlagzeilen sorgte der heute 36-Jährige bei den Christdemokraten allerdings nicht durch politische Inhalte, sondern durch sein unerklärliches Verhalten nach der Kommunalwahl im März 2006. L. hatte sich zur Wahl gestellt und war von den Niestern mit 246 Stimmen ins Parlament entsandt worden.

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Dort tauchte er bei der konstituierenden Sitzung im Frühjahr 2006 auf - dann aber nicht mehr. „Er hat unentschuldigt gefehlt“, erinnert sich Bürgermeister Edgar Paul (SPD). Im November 2006 reichte es den Niester Kommunalpolitikern dann: In der dritten Sitzung, der L. fernblieb, ermahnte Gemeindevertretervorsitzender Uwe Blumenstein (SPD) den Christdemokraten öffentlich und drohte mit einer Geldbuße.

Ein Schreiben Blumensteins, in dem dieser den Abgeordneten auf seine Pflichten hingewiesen hatte, war unbeantwortet geblieben. Auch in der CDU war man sauer, schließlich blockierte L. einen Nachrücker. Auch auf die Aufforderung seiner Parteifreunde, den Platz freizumachen, reagierte er nicht.

Berufliche Überlastung

Noch einmal vier Monate später, im März 2007, zeigte sich der Politikverweigerer, der sich zeitweise auch im Elternbeirat der Niester Grundschule engagierte, dann einsichtig und gab sein Mandat zurück. Seine Begründung: berufliche Überlastung. „Ich habe ihn danach nie wieder gesehen“, sagt Bürgermeister Paul.

Aktualisiert um 17:25 Uhr

Der Verwaltungschef ist erschrocken über die Vorwürfe. „Im Gespräch hatte er durchaus etwas Gewinnendes“, so Paul, „vor allem ältere Menschen waren von ihm begeistert.“

L., der als Beruf damals Angestellter angab, soll sich später mit einem Kurierdienst und einem Frachtunternehmen selbstständig gemacht haben.

Nach unbestätigten Meldungen ist der Reserveoffizier zurzeit im Einsatz in Afghanistan. Bei unserem Versuch, L. in Nieste zu erreichen, meldete sich gestern Morgen seine Ehefrau. Ihr Kommentar: „Wir sagen dazu nichts.“

Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch liegt gegen L. weder allgemeinpolizeilich noch beim Staatsschutz etwas vor.

Von Peter Ketteritzsch

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