Aus dem Spielfilm "Willi Busch Report"

Schauspielerin Kornelia Boje besuchte Drehorte im Werra-Meißner-Kreis

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Zusammentreffen: Die Türmerin des Eschweger Nikolaiturmes Ilona Pfetzing (links) zeigt der Berliner Schauspielerin Kornelia Boje die Eschweger Altstadt vom Turm aus. Kornelia Boje sprach im Eschweger Kinderkrimihörspiel „Die jungen Detektive und die Teufelsgestalt“ die Rolle der Türmerin.

Werra-Meißner. 1979 hat Kornelia Boje an der Seite von Tilo Prückner den Spielfilm "Willi Busch Report" im Werra-Meißner-Kreis gedreht. 37 Jahre später kehrt sie an die Drehorte zurück.

„Da soll ich jetzt hoch?“ Die Schauspielerin Kornelia Boje zieht bei der Frage die Augenbrauen nach oben und blickt zum Nikolaiturm. Boje hat Höhenangst. Gerade sie, die im Eschweger Kinderkrimihörspiel „Die jungen Detektive und die Teufelsgestalt“ die Türmerin spricht.

Die echte Türmerin Ilona Pfetzing ermuntert sie: „Jetzt legen wir Ihnen Eschwege zu Füßen, das müssen Sie gesehen haben.“ Das Argument überzeugt und schnellen Schrittes geht die 74-jährige Berlinerin mit hinauf. Schnell? Ja, genau. Denn Pausen würden den Weg nach oben nur noch mehr erschweren, erklärt Boje.

Oben angekommen atmet sie erst einmal durch und setzt sich. „In diesem Raum befand sich früher die Wohnung des Türmers“, erklärt Ilona Pfetzing. Leider gebe es keine Fotos von der Einrichtung. Sie bedauert dies. Boje nicht: „Ist doch schön, dass es noch Geheimnisse gibt.“

Draußen auf dem Laubengang lässt Kornelia Boje dann den Blick über Eschwege und das Werratal schweifen. Es ist eine Reise in ihre Vergangenheit. 1979 drehte Kornelia Boje an der Seite von Tilo Prückner den Spielfilm „Willi Busch Report“. Sie spielte im Film von Niklaus Schilling in der Hauptrolle die an die damalige innerdeutsche Grenze strafversetzte Lehrerin Rose-Marie Roth. Prückner verkörperte den Reporter Wilhelm Busch, der Schlagzeilen erfindet, um seine Werra Post zu retten.

Vor dem Redaktionsgebäude: In diesem Haus in Bad Sooden-Allendorf war im Film die Werra Post untergebracht.

Wochen hat die Berlinerin damals im Werra-Meißner-Kreis verbracht. Ganz am Rande der westlichen Welt. Mit Blick in die DDR. Die gesamte Filmcrew schlief in einem Wanfrieder Hotel. „Wir waren ständig in der Region unterwegs. Regisseur Niklaus Schilling war ein Meister der Montage“, sagt Boje. Außenaufnahmen in Bad Sooden-Allendorf, Innenaufnahmen in Wanfried. Quer durch den Kreis. Immer wieder.

Und so setzt sie sich nach dem Abstieg vom Turm ins Auto vom Neu-Eichenberger Hörspielproduzent Sven Schreivogel um weiterzufahren. Es geht nach Wanfried. Schreivogel spielte in einer kleinen Nebenrolle im Nachfolgefilm „Deutschfieber“ mit, und lernte Kornelia Boje während einer Hörspielproduktion kennen.

„Oh Gott, was ist denn hier passiert“, bricht es aus der Berlinerin heraus. Das Auto fährt die Wanfrieder Hauptstraße entlang und passiert das Haus, in dem sich damals ein Zeitungsladen befand. Heute befindet sich darin ein Büro der Diakonie. Die Drehorte haben sich verändert. Boje bekommt vor Augen geführt, dass inzwischen 37 Jahre vergangen sind. Und doch genießt sie die Tour. Immer wieder sagt sie, wie schön die Landschaft ist.

Grenzer sahen sie nackt

Den Bahnhof von Wanfried, wo sie damals ihre erste Szene drehte, erkennt sie sofort wieder. Auf der Rückseite auf dem Rasen stehend, lässt sie wieder den Blick schweifen. „Warum hat man nicht wenigstens ein Stück Gleis liegen gelassen? Das ist schade.“

Sogleich erinnert sie sich an die Szenen, die in Wanfried gedreht worden sind. An die Fahrten mit dem Motorroller, der viel zu groß für sie ist. Und an die Bettszene mit Tilo Prückner, in der sie oben ohne am Fenster steht. Tatsächlich schauten Grenzsoldaten mit Ferngläsern in dem Moment zu ihr rüber. „Die freuten sich, bis der Vorgesetzte kam.“ Für Boje berührende Momente. Und erschreckend? Nein, sagt sie. „Ich wusste ja, dass es die Grenze gibt.“ Am Rande des Westens.

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