Schmierfett statt Kreide

Fachgespräch: Aufmerksam hört Heiko Meurer (rechts) den Erläuterungen seines Chefs Bernd Bloß zu. Foto: Demmer

Grossalmerode. Statt vor der Schulklasse steht Heiko Meurer in der Kfz-Werkstatt.

Nach dem Lehramtsstudium entschloss sich der 30-Jährige, seinem Traum zu folgen und eine Ausbildung als Mechatroniker zu beginnen. Statt Kreide hat er nun Schmierfett an den Händen und wirkt dabei sehr zufrieden. „Ich bin glücklich mit dem, was ich mache“, sagt er. „Das einzige, was mich ärgert, ist die verlorene Zeit.“

Eigentlich wollte er nie Lehramt studieren, erzählt Meurer. Er habe immer gerne geschraubt, zum Beispiel mit 13 Jahren die Auspuffanlage am Käfer des Opas gewechselt „obwohl ich gar nicht wusste, wie es geht“, erinnert er sich lachend. Aber als das Abitur 2005 nur einen Schnitt von 3,1 hatte, bekam er Panik, sich zu bewerben. Der Bruder studierte Lehramt, also warum er nicht auch? Es folgte ein Studium für Deutsch und Arbeitslehre an Haupt- und Realschulen. Am Schluss allerdings begleitet von der Frage: „Ist es das, was ich will?“, erzählt Meurer. Schlussendlich gab die Geburt der Tochter, bei der Kind und Ehefrau in Lebensgefahr gerieten, den letzten Ausschlag. Als es beiden wieder besser ging, bewarb er sich - unter anderem beim Autohaus Bloß in Großalmerode, seinem jetzigen Lehrbetrieb.

Die erste Reaktion darauf war negativ, erinnert sich Besitzer und Meister Bernd Bloß. Jemand, der von der Uni in die Werkstatt wollte? Trotzdem kam es zum Vorstellungsgespräch und da präsentierte der 30-Jährige sich so gut, dass er eingestellt wurde - sogar mit verkürzter Lehrzeit, er fing am 1. Oktober direkt im zweiten von dreieinhalb Lehrjahren an. Die anderen Azubis hätten schnell bemerkt, dass der Neue mit Herzblut bei der Sache ist, berichtet Bloß. Das übertrage sich. „Er ist ein Gewinn“. Meurer hinterfrage viel. „Das ist die halbe Miete. Wir brauchen Leute, die bei der Arbeit mitdenken.“

Meurer muss sich nun mit den Unterlagen seines Mit-Lehrlings das Wissen des ersten Ausbildungsjahrs drauf packen und Lehrgänge nachholen. „Das finde ich gut, weil die Basis vermittelt wird“, sagt der gebürtige Hessisch Lichtenauer, der jetzt mit seiner Familie in Schnellrode wohnt. „Es ist schön endlich mal zu lernen, wie alles richtig funktioniert.“ Nach einer berufsqualifizierenden Prüfung wird er als Umschüler zum Ausbildungsgehalt finanziell durch das Arbeitsamt unterstützt.

Und was sagten Familie und Freunde? Erst hätten sie gefragt, warum er es gemacht hat, erinnert sich Meurer. „Jetzt sagen alle: Gut, dass Du es gemacht hat. Sie stehen hinter mir.“ Und auch er selbst ist zufrieden. „Es macht einen Riesenspaß. Selbst bei Stress fahre ich jeden Morgen mit Freude her.“

Bei der Ausbildung zum Mechatroniker soll es übrigens für Meurer nicht bleiben. Der Meister soll folgen und auch die Option, Berufsschullehrer zu werden, steht Meurer bei seiner Vorbildung offen. Zuerst steht aber privat die nächste Veränderung an: Im Dezember soll das zweite Kind zur Welt kommen.

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