Schon sieben Katzen im Kreis betroffen

Spielzeug kann für Katzen lebensgefährlich sein

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Noch erinnert die große Narbe von Kater Hägar an die Not-Operation, aber er ist wieder fit: Der Patient mit (von links) Tierärztin Milena Vaupel-Kenter, Besitzerin Heide Orth und Tierarzt-Helferin Stefanie Erhardt. 

Bad Sooden Allendorf. Kleine bunte Sammelfiguren vom Discounter können bei Katzen für einen lebensgefährlichen Darmverschluss sorgen.

Buntes Plastik-Spielzeug kann für Katzen lebensgefährlich sein. So wie die Stikeez, die es momentan beim Discounter Lidl als Geschenk gibt. Wenn Katzen die rund drei Zentimeter großen Weichplastik-Figuren fressen, können diese bei den Tieren für einen lebensgefährlichen Darmverschluss sorgen - sie müssen notoperiert werden. Auch im Kreis sind bereits Katzen betroffen.

Sieben Fälle in drei Jahren

Die Bad Sooden-Allendorfer Tierärztin Milena Vaupel-Kenter berichtet von sieben Fällen in den vergangenen drei Jahren. Ein Mal gelang es ohne Operation, das Tier von dem Spielzeug im Körper zu befreien, sechs Mal musste die Tierärztin zum Skalpell greifen. Kein einfacher Eingriff, denn gerade im Darm siedeln viele Bakterien. Daher ist bei der OP höchste Vorsicht geboten,damit keine Infektionen entstehen.

Einige Katzen überlebten nicht

In einer bundesweiten Tierarzthelferinnen-Gruppe des sozialen Netzwerks Facebook erstellte die Gruppenleiterin Julia Dahmen eine Umfrage, nach der es in knapp 20 Prozent der Praxen bereits vorkam, dass Katzen eine Sammelfigur gefressen und so einen Darmverschluss bekommen hatten, einige überlebten dies nicht. In etlichen Praxen gab es sogar mehrere Vorfälle.

Das sagt Lidl

Vorher: Eine Sammelfigur im Originalzustand.

Auf Nachfrage erklärt Mario Köhler von der Lidl-Pressestelle, dass das Unternehmen die Berichte in sozialen Medien registriert und soweit möglich betroffene Personen kontaktiert habe. Produktsicherheit und Kundenzufriedenheit stünden an erster Stelle. Die Stikeez entsprächen den TÜV-Vorgaben und auch die Kennzeichnung sei aus TÜV-Sicht ausreichend.

Köhler verweist auf den Sicherheitshinweis, der sich auf jeder Verpackung befindet. Darin steht unter anderem: „Nicht für Kinder unter 3 Jahren geeignet. Erstickungsgefahr. Enthält Kleinteile, die verschluckt oder eingeatmet werden können.“ Köhler schreibt: „Wir appellieren an alle Tierhalter, diese Hinweise entsprechend auch für Ihre Haustiere zu beachten.“

Kater Hägar wurde notopertiert

Ein betroffenes Tier im Kreis ist Kater Hägar. Noch darf er nicht vor die Tür, sondern muss in den vier Wänden seiner Besitzerin Heide Orth in Oberrieden bleiben, zu kurz liegt seine Not-Operation zurück. Aber bald werden die Fäden gezogen und der Kater darf wieder ins Freie. Dann wird nur noch die Narbe am Bauch daran erinnern, dass ihm durch die Bad Sooden-Allendorfer Tierärztin Milena Vaupel-Kenter eine Lidl-Sammelfigur „Stikeez“ aus dem Darm operiert werden musste.

Nachher: Diese Figur hatte Hägar im Darm.

Was war passiert? Seine Besitzerin berichtet, dass Hägar erbrochen und sich versteckt hatte. Als er gefunden wurde, zitterte der Kater und es ging ihm schlecht. Umgehend in die Tierarztpraxis gebracht, versuchte Vaupel-Kenter erst, den Kater zum Erbrechen zu bringen, damit der Fremdkörper auf natürlichem Weg wieder hervorkommt. Nachdem dies nicht das gewünschte Ergebnis brachte, wurde der Kater eine Stunde lang operiert und die Spielfigur aus dem Darm entfernt. Danach gab es zwei Tage nur Infusionen, bevor der Darm mit Brühe und Brei nun langsam wieder an Nahrung gewöhnt wird.

Keine schöne Erfahrung für den roten Kater, der die Behandlung aber gut überstanden hat. Neben dem Unbill für die Katze kommt so ein Eingriff auch den Besitzer teuer zu stehen. Mit Nachbehandlung werden mehrere hundert Euro fällig.

Katzenhalter sensibilisieren

Mit ihrem Gang an der Öffentlichkeit möchten Orth und Vaupel-Kenter dafür sensibilisieren, wie gefährlich die Sammelfiguren für Samtpfoten sind. „Sie haben genau die richtige Größe, um einen Katzendarm zu versperren“, erklärt Vaupel-Kenter. Und Orth ergänzt, dass sie eine Kollegin habe, die die Stikeez extra für ihre Katzen zum Spielen angeschafft habe. Tierarzthelferin Stefanie Erhardt hatte durch eine Nachfrage bei Facebook in Erfahrung gebracht, dass es bundesweit Probleme mit den kleinen Sammelfiguren gibt, die von den Katzen gerne gefressen werden. In anderen Praxen des Werra-Meißner-Kreises ist das Problem speziell mit den Lidl-Stickeez noch nicht aufgetreten. Sowohl bei Dr. Katja Schinkel als auch in der Praxis von Dr. Marion Andreas (beide Eschwege) musste noch keine Mieze wegen der kleinen Spielzeuge behandelt werden. Auch in der Retteröder Kleintierpraxis Walbachsmühle von Dr. Antina und Dr. Olaf Wappler und der Tierarztpraxis Troyke in Witzenhausen sind noch keine Fälle mit den Sammelfiguren aufgetreten.

Mit anderen Plastik-Kleinteilen jedoch schon, berichten die Praxen unisono. Manches haben Hunde und Katzen zum Fressen gern, obwohl es schwer verdaulich ist.

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