Zum Meißner-Jahr schlugen über 50 Wandervögel und Jugendbewegte Bäume

Während eine Pfadfinderin den Stamm entastet, kürzt ein anderer, mit Schnittschutzbekleidung ausgerüstet, den Stamm (oben). Die fertigen Stämme müssen den Hang hinab zum Waldweg getragen werden. Sie stehen wegen des Winters noch nicht wieder voll im Saft und sind daher relativ leicht (rechts).
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Während eine Pfadfinderin den Stamm entastet, kürzt ein anderer, mit Schnittschutzbekleidung ausgerüstet, den Stamm (oben). Die fertigen Stämme müssen den Hang hinab zum Waldweg getragen werden. Sie stehen wegen des Winters noch nicht wieder voll im Saft und sind daher relativ leicht.

Weißenborn. Im Oktober jährt sich zum hundertsten Mal der Freideutsche Jugendtag. 1913 trafen sich auf dem Hohen Meißner rund 3000 Wandervögel und Angehörige der Jugendbewegung, um mit ihrem Treffen gegen die wilhelminische Gesellschaft und für alternative Lebensformen zu protestieren.

Zum Jubiläum des Meißnerfestes werden 3000 bis 5000 Pfadfinder, Wandervögel und andere Angehörige der Jugendbewegung erwartet. Vorbereitet wurde das Treffen jetzt im Wald bei Weißenborn.

Denn der eigens für das Fest gegründete „Verein zur Vorbereitung und Durchführung des Meißnertreffens 2013“ steht vor einer logistischen Herausforderung der Extraklasse. Die Teilnehmer am 100. Meißnerfest werden ihr eigenes Lager errichten. Für die Jurten und Kohten (Zelte aus schwarzem Baumwollstoff) werden lange Fichtenstangen benötigt.

„Wir brauchen rund 1000 Stangen, die wir allerdings übers Jahr bei verschiedenen Lagern wiederverwenden“, erklärt Suse vom Eschweger Pfadfinderbund Boreas. Suse ist ihr Fahrtenname, denn in der Jugendbewegung hat fast jeder einen Fahrten- zumindest aber einen Spitznamen. Suse arbeitet in Hamburg. Sie fühlt sich aber immer noch mit der Jugendarbeit ihres Eschweger Pfadfinderbundes verbunden und ist mit diesem Engagement nicht allein.

Viele der rund 50 freiwilligen Holzfäller, die am Samstagmorgen nach Weißenborn gekommen sind, stehen bereits im Berufsleben. Der Stamm der Silberfüchse beispielsweise ist trotz Wochenendes mit sechs Mann aus Hofgeismar angereist. „Wir wollen hier unseren Beitrag für das Meißnerlager leisten“, erklärt Stammesführer Timo. Pfadfinderin Knips aus Bad Sooden-Allendorf ist mit gerade einmal 14 Jahren die Jüngste im Wald. „Ich bin seit neun Jahren Pfadfinderin und es ist selbstverständlich, dass ich mit anpacke, wenn es etwas zu tun gibt“, sagt sie.

Muss ausgedünnt werden

Die meisten Jugendlichen trafen sich am Samstag zum ersten Mal. Und obwohl keiner die Führung inne hat, weiß trotzdem jeder, was zu tun ist. Förster Rainer Weishaar hat dünne Fichtenbäume in einem Waldstück markiert.

Ein Teil der Freiwilligen fällt diese mit Motorsäge oder Axt, andere entasten die Stämme mit kleinen Beilen und Dritte bergen die fertigen Zeltstangen und bringen sie auf bereits angelegte Sammelplätze am Waldweg. „Das ist eine billige Durchforstung für Hessen-Forst“, scherzt einer, denn der Fichtenbestand müsste sowieso ausgedünnt werden. „Bis 1000 ist es aber noch ein bisschen hin“, sagt einer nach dem Mittag und geht grinsend wieder an die Arbeit. (wr)

Von Wolfram Skupio