Videos und Fotos mit dem Smartphone

Unfall-Gaffer behindern Rettungskräfte massiv

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Gaffer zum Nachdenken anregen: Die Autobahnpolizei Bad Hersfeld geht in die Offensive. Eine ähnliche Aktion im Werra-Meißner-Kreis ist aber nicht geplant.

Werra-Meißner. Schaulustige behindern zunehmend die Arbeit der Rettungskräfte an Unfallstellen im Kreis. „Die Gaffer stellen für die Feuerwehren sowie für die Polizei eine wachsende Herausforderung dar", sagt etwa Udo Schulz, Gemeindebrandinspektor in Herleshausen.

Die Brandschützer aus dem Südringgau sind für den Abschnitt der Autobahn 4 zwischen Herleshausen und Gerstungen zuständig und werden dort mittlerweile bei fast jedem ihrer Einsätze mit Gaffern konfrontiert. „Etwa jeder zweite Autofahrer hat ein Smartphone in der Hand und fotografiert oder filmt damit die Unfallstelle ab“, sagt Herleshausens Wehrführer Mario Mißler.

Dass diese Entwicklung in den vergangenen Jahren im gesamten Werra-Meißner-Kreis merklich zugenommen hat, bestätigt Thomas Eisenträger, stellvertretender Kreisbrandinspektor: „Es ist heute ein Leichtes, mit dem Smartphone Bilder oder Videos aufzunehmen und diese über Dienste der sozialen Medien zu verbreiten“. Das sei äußerst bedenklich, da die Persönlichkeitsrechte der Unfallopfer auf diese Weise massiv verletzt würden.

Eng mit dem Thema verknüpft ist das Bilden von Rettungsgassen für die Einsatzfahrzeuge. Diese sind unbedingt erforderlich, damit die Rettungskräfte so schnell wie möglich zur Unfallstelle gelangen können. „Doch wiederholt haben wir beobachtet, dass Autofahrer die Gassen nutzten, um selbst nah an die Einsatzstelle zu kommen“, sagt Schulz. Missbraucht würden die Gassen auch zum schnelleren Vorankommen bei Staus.

„Dieses Problem betrifft in erster Linie die Wehren, die einen Autobahnabschnitt zugewiesen bekommen haben“, sagt Eisenträger. Auf dem von der Feuerwehr Hessisch Lichtenau betreuten Teilstück der Autobahn 44 seien aber bislang nur wenige Vorfälle zu verzeichnen.

Gaffer und Schaulustige, fehlende Rettungsgassen und Einsatzkräfte, die bereits auf der Anfahrt zum Unfallort psychischem Stress ausgesetzt sind: Um die zahlreichen Behinderungen für die ehrenamtlichen Rettungskräfte einzudämmen, hat das Land Hessen eine Imagekampagne gestartet.

Die Initiative „Rettungsgasse rettet Leben“ ist in Zusammenarbeit mit dem Landesfeuerwehrverband entstanden. „Für die Information der Verkehrsteilnehmer wird das dort erarbeitete Material auch im Werra-Meißner-Kreis genutzt“, sagt Thomas Eisenträger, stellvertretender Kreisbrandinspektor. „Viele Brücken wurden bereits mit Bannern versehen, Flyer wurden verteilt und Plakate in Raststätten angebracht, um auf die Thematik aufmerksam zu machen“, ergänzt Herleshausens Wehrführer Mario Mißler.

Eine wohl einmalige Initiative hat unterdessen die Autobahnpolizei Bad Hersfeld, mit der die Freiwillige Feuerwehr Herleshausens eine gute Zusammenarbeit pflegt, gestartet. Sie nutzt eine eigens entwickelte Plane mit der Aufschrift „Nicht gaffen - Mitglied werden“, um verunfallte Fahrzeuge vor neugierigen Einblicken zu schützen. „Ähnliche Aktionen im Werra-Meißner-Kreis sind mir aber nicht bekannt“, sagt Thomas Eisenträger.

„Nicht jeder Autofahrer ist automatisch ein Gaffer“, bilanziert Mißler. Dennoch wolle er sensibilisieren und auf die wachsende Problematik hinweisen - „denn Aufklärung ist dringend nötig und kann im Ernstfall Leben retten.“

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