Neue Regelung ab 1. September

Versorgungsamt stellt Sprechtage in ganz Nordhessen ein: Alle müssen nach Kassel

Künftig einzige Anlaufstelle: Das Versorgungsamt an der Frankfurter Straße in Kassel.

Werra-Meißner. Das Hessische Amt für Versorgung und Soziales in Kassel stellt seine Sprechtage zum 1. September in ganz Nordhessen ein - somit auch in Eschwege und Witzenhausen.

Das bestätigte die Leiterin des Amtes, Martina Felmeden-Dreyer, auf Anfrage.

Der Grund für die Streichung des Angebot ist einfach: Sparzwang. „Das hat vor allem personelle Gründe“, sagt Felmeden-Dreyer. Da das Amt immer weniger Personal zur Verfügung habe, könne man nicht mehr wie bisher Mitarbeiter einen ganzen oder auch nur einen halben Tag in die Landkreise entsenden. Die Zahl der Anträge - beispielsweise wegen Schwerbehinderung oder Elterngeld - liege auf einem hohen Niveau und binde die Mitarbeiter.

Zudem entstünden Kosten für Fahrten mit dem Dienstwagen - was letztlich aus Steuergeldern bezahlt werden müsse. Kleinere Standorte wie Witzenhausen, wo bislang zwei kurze Sprechtage pro Halbjahr abgehalten wurden, hätten schon seit drei bis vier Jahren auf der Kippe gestanden. „Die Vorgabe des Landes, mindestens fünf Vorsprechende pro Stunde zu betreuen, haben wir an kleinen Standorten wie Witzenhausen schon lange nicht mehr erreicht“, so die Amtsleiterin. Jetzt sei der Kosten- und Personaldruck aber so hoch, dass sich das Amt entschieden habe, alle Sprechtage außerhalb des Hauptsitzes in Kassel zu streichen. Dazu gehört auch das Angebot in Eschwege, wo bisher vier ganze Sprechtage pro Halbjahr abgehalten wurden.

Für die Bürger bedeute das aber keine wesentliche Einschränkung, sagt Felmeden-Dreyer. Bereits jetzt würden schon ein Großteil der Beratungen am Telefon oder per E-Mail abgewickelt. „Bei den Sprechtagen waren unsere Mitarbeiter oft nur noch Schreibkraft oder Postempfänger, weil die Bürger ihre ausgefüllten Anträge bei uns abgegeben haben. Ein Beratungsbedarf bestand oft nicht.“

Wer nun eine persönliche Beratung von Angesicht zu Angesicht wünscht, muss in die Hauptstelle des Amts nach Kassel fahren.

Der Witzenhäuser Magistrat wollte sich mit der Streichung der Sprechtage zunächst nicht abfinden, berichtet Bürgermeisterin Angela Fischer. „Die Bürger brauchen die Chance zum persönlichen Gespräch, nicht jeder kann sich mit dem Internet helfen.“ Zudem sei für viele Betroffene der Weg nach Kassel zum Amt für Versorgung sehr mühsam. „Nach unserem Eindruck wurden die Sprechtage von den Bürgern auch gut genutzt.“

Doch auch ein Anruf bei der Amtsleiterin änderte nichts an der Situation. „Wir müssen einfach aus Kostengründen und organisatorischen Gründen alle Sprechtage draußen streichen“, sagt Felmeden-Dreyer.

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