Milchpreis-Wende kommt zu spät

Folge der Milchpreise: Jeder fünfte Bauer im Werra-Meissner-Kreis gibt auf

Werra-Meissner. Seit einigen Tagen ist die Milch in den Supermärkten teurer. Höhere Erlöse dienen den Produzenten zunächst zur Tilgung.

Seit einigen Tagen kostet die Milch im Supermarkt 20 Cent mehr je Liter. Auch Milchprodukte wurden teurer. Doch von dieser Preiserhöhung kommt nur ein Teil bei den Produzenten an. Klagen hört man von den Milchbauern aber nicht. Doch wie es nach der langen Durststrecke weitergeht, darüber sind sich viele Landwirte noch nicht im Klaren.

„Es gibt noch viele Fragezeichen“, sagt Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Werra-Meißner. Positiv bewertet er, dass viele Molkereien mittlerweile mehr bezahlen als zuletzt nur noch 20 Cent pro Liter Rohmilch. Eine ab Dezember angekündigte Steigerung auf deutlich über 30 Cent sei „schon gewaltig“ und helfe den Betrieben.

Für viele Milchviehhalter kommt die Wende zu spät. Von den noch 110 Produzenten haben zehn Betriebe bereits aufgegeben, bestätigt Gerhard Müller-Lang vom Fachbereich Landwirtschaft des Kreises. Und 15 Landwirte befassten sich derzeit mit der Aufgabe der Milchviehhaltung. Der Bestand an Milchkühen (6200) und die Menge an Rohmilch (rund 40 Millionen Liter im Jahr) sinkt laut Roth ungeachtet dessen so gut wie gar nicht.

Mit 30 Cent, die das Deutsche Milchkontor (DMK) seit November zahlt, könne ein Betrieb noch nicht wirtschaften, das gehe erst mit 35 Cent, sagt Landwirt Thomas Küllmer (Hessisch Lichtenau-Velmeden), der als Vertreter der Milchbauern aus der Region im Beirat des Hauptabnehmers DMK sitzt. Zudem müssten die Milchbauern die Überbrückungs-Kredite tilgen.

Um den Verlust der vergangenen Monate aufzuholen, dauere es ein Jahr oder auch länger, sagt Küllmer. Die Folge: Die Betriebe rüsten auf und melken mehr. Aber dann, prognostiziert Küllmer, gebe es bald erneut das Problem mit der Menge, wodurch der Preis wieder sinkt. Es werde, befürchtet er, zu einem Zyklus wie bei den Schweinepreisen kommen.

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