Karneval: Keine Zensur beim Thema Flüchtlinge

Fröhlich feiernde Frauen: Wie hier beim Rosenmontagszug in Fürstenhagen 2015 soll es auch in diesem Jahr heiter und ungezwungen hergehen, auch wenn sich die Vereine zunehmend Gedanken um die Sicherheit machen. Archivfoto: Forbert

Werra-Meißner. Das Thema Flüchtlinge ist allgegenwärtig - aber passt es auch zum Karneval? Nein, finden die Eddernarren aus Fritzlar.

Sie wollen dieses Jahr aus Sicherheitsgründen keine Gruppen zulassen, die sich mit der Zuwanderungsproblematik beschäftigen. Bei den Karnevalisten im Werra-Meißner-Kreis gibt es solche Einschränkungen im Vorfeld nicht.

„Wir nehmen keinen Einfluss darauf, wie sich die Gruppen im Umzug präsentieren“, sagt Jörg Kistner, Vorsitzender des Karnevalvereins Hessisch Lichtenau. So hält es auch der Carneval Club Fürstenhagen: „Die Beiträge der Motivwagen und Fußgruppen werden von uns nicht auf politische Inhalte geprüft“, sagt zweite Vorsitzende Beate Blumenstein. Allerdings gehe es bei den Umzügen in erster Linie um den Spaß. Wenn politische Themen aufgegriffen werden, so seien es meist lokale.

„Als Verein haben wir beschlossen, uns bei der extrem kontroversen Diskussion um Flüchtlinge neutral zu verhalten“, sagt Blumenstein. Kein Mitglied solle genötigt werden, Position beziehen zu müssen. Auch bei den Sitzungen seien Beiträge, die sich mit Asylbewerbern beschäftigen, nicht geplant, sagen Blumenstein und Kistner übereinstimmend.

Im Kreisteil Eschwege, wo es keine Umzüge gibt, ist die Asyldebatte im Karneval ebenfalls nicht präsent. „Bei uns gibt’s nur Klamauk“, sagt Günter Heese, Vorsitzender der Hänselsänger in Sontra. „Von Politik haben die Leute doch oft die Nase voll. Deshalb klammern wir das total aus.“

Auch in der Reichensächser Bütt sind Flüchtlinge kein Thema. Vorsitzende Anette Beck sagt: „Wir hätten aber auch davon abgeraten, eine Parodie daraus zu machen.“

Die Polizei hat keinen Einfluss auf Motive und Beiträge im Karneval. „Aber von Mohammed-Karikaturen, die religiöse Gefühle verletzten, raten wir ab“, sagt Sprecher Reiner Lingner.

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