Volkshochschule engagiert sich bei Integration von Flüchtlingen

Deutsch lernen mit der Bibel: Ahmad und Selam Abesi leben in der Flüchtlingsunterkunft in Frieda und haben zwei Bibeln auf Deutsch und auf Farsi erhalten, die das Dekanat Eschwege gespendet hat. Das Paar aus dem Iran möchte sich demnächst christlich taufen lassen. In Frieda nehmen sie an einem Deutschkurs teil, den zunächst Ehrenamtliche organisiert hatten. Inzwischen wird er von der VHS angeboten. Archivfoto: Rissmann

Werra-Meißner. Die Deutschkurse für Fremdsprachler, insbesondere für Flüchtlinge, nahmen im vergangenen Jahr ab Juli gehörigen Raum in der Arbeit der Volkshochschule Werra-Meißner ein.

Neben den Kursen mit finanzieller Förderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) habe man noch eigene Deutsch-Grundlagenkurse angeboten. Das sei schon eine große Herausforderung, die aber gut gemeistert werde - vor allem mit guten Ergebnissen für die Lernenden, wie die Prüfungsleistungen ausgesagt hätten.

Und das sei wichtig für deren Einbürgerung, berichteten Landrat Stefan Reuß und die für Bildungsberatung zuständige VHS-Mitarbeiterin Regina Novak. Im hessenweiten Vergleich beim Erreichen des Sprachniveaus lägen die Kurse im Werra-Meißner-Kreis in der Spitze, sei man vom Hessen-Koordinator vom Bamf gelobt worden. Absolviert wurden im vorigen Jahr 15 Deutsch-Kurse mit jeweils 60 Unterrichtseinheiten (45 Minuten) mit rund 300 Flüchtlingen an acht Standorten im Kreis.

Seit Mitte November gibt es ein zusätzliches Angebot für Menschen aus Syrien, Irak und weiteren arabisch-sprachlichen Ländern. Diese vom Bundesamt geförderten 14 Kurse an neun Standorten mit zusammen etwa 230 geförderten Teilnehmern und 70 Mi-granten anderer Nationalitäten umfassen jeweils 220 Unterrichtseinheiten. Am Ende kann der Abschluss B1 erreicht werden. 15 Dozenten sind für diese Integrationskurse im Einsatz. Fast 100 Dozenten hätten ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bei der VHS bekundet. Darunter seien viele pensionierte Lehrer sowie engagierte Frauen, die derzeit nicht im Berufsleben stehen.

Doch das Programm mit 220 Unterrichtseinheiten läuft aus, da es vom Bamf keine weitere Förderung gebe. Deshalb kehrt die VHS in diesem Jahr zu den Integrationskursen mit 60 Einheiten zurück. Geplant sind derzeit rund 25 solcher Kurse, die den Neuankömmlingen zumindest die Grundlagen vermittelten. 2015 kamen, ergänzte Landrat Reuß, über 1000 Flüchtlinge in den Werra-Meißner-Kreis.

Um in diesem Jahr rund 480 aufgenommenen schutzbedürftigen Flüchtlingen einen Deutsch-Grundlagen-Kursus anbieten zu können, sollen 71 000 Euro aufgewendet werden, die nur zu einem geringen Teil über Fördermittel gedeckt werden können.

Laut dem Wirtschaftsplan für das Jahr 2016 des Eigenbetriebs wird dabei mit mindestens 51 000 Euro Defizit gerechnet. Dieses könne aber über die Rücklagen ausgeglichen werden.

Das sagt der Koordinator: „VHS ist zuverlässig und engagiert“

Dr. Thomas Weyrauch, der Regionalkoordinator des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Gießen lobt die Volkshochschule Werra-Meißner. Sie sei „seit Jahren ein zuverlässiger, leistungsstarker und engagierter Träger von Integrationskursen. Als „besonders beachtenswert“ stellt er ihre flankierenden Maßnahmen zur Leistungssteigerung und zur Integration im sozialen Bereich her. Dr. Thomas Weyrauch: Das Engagement der Volkshochschule „trägt seit langer Zeit Früchte“.

Hintergrund:Niveaustufe B1: Standardsprache verstehen können

Von der Volkshochschule Werra-Meißner werden Deutsch-Kurse für Migranten und Flüchtlinge bis zur Kompetenzstufe B1 angeboten. Das ist die dritte Niveaustufe. Sie genügt, um sich in Deutschland einbürgern zu lassen.

In Anlehnung an den Europäischen Referenzrahmen für das Sprachenlernen werden sechs Niveaustufen (bis C2), die jeweils 100 bis 120 Stunden umfassen, unterschieden.

Am Ende der Stufe B1 sollen die Teilnehmer den Sinn verstehen, wenn sie klare Standardsprache hören und es um vertraute Bereiche wie Arbeit, Schule und Freizeit geht. Sie sollen auch die meisten alltäglichen Situationen sprachlich meistern und sich zusammenhängend zu Themen wie Familie, Hobbys und Beruf äußern können. Zudem sollen sie über Erfahrungen und Ereignisse berichten sowie Meinungen und Ansichten begründen können.

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