Interview mit dem technischen Leiter des Witzenhäuser Tropengewächshauses

Auch Tropenpflanzen kann es zu heiß werden

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Frischer Wind: Der Ventilator an der Decke verteilt die warme Luft im ganzen Raum. Auch ihn hat Rainer Braukmann im Blick.

Witzenhausen. Im Interview erklärt Rainer Braukmann, technischer Leiter des Gewächshauses für tropische Nutzpflanzen in Witzenhausen, wie das Klima bei Hitze reguliert wird.

Wenn es im Sommer tropisch warm wird, wie sieht es dann im Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen der Uni Kassel in Witzenhausen aus? Wir haben beim technischen Leiter, Rainer Braukmann, nachgefragt. Er sorgt dafür, dass es den Pflanzen nicht zu heiß wird.

Sie haben auf 1200 Quadratmetern Gewächshaus drei Klimakammern und im Sommer auch Pflanzen draußen. Welche Klimazonen sind das? Was müssen Sie beachten?

Rainer Braukmann: Bei uns geht es einmal bis zum Äquator und zurück: von Witzenhausen in die Subtropen über das tropische Hochland bis zum tropischen Tiefland. Drei Klimazonen werden im Gewächshaus nachgestellt. Deshalb müssen wir immer alle Einflüsse im Auge behalten: Wärme, Licht, Luftwechsel, Wasser, Dünger.

Wie hoch sind die Spitzentemperaturen im Sommer?

Rainer Braukmann: Generell sind es im Gewächshaus immer fünf bis acht Grad wärmer als draußen. Wir versuchen, dass die Temperatur hier drinnen nicht über 37, 38 Grad steigt. Wenn es draußen 32 Grad warm ist, sind wir dann schon am Limit, da wird es schwierig.

Kann es im Gewächshaus auch zu warm werden?

Rainer Braukmann: Wir regulieren natürlich die Temperaturen in den einzelnen Klimabereichen, damit die Pflanzen optimal wachsen. Ein geschlossenes Gewächshaus würde sich so stark aufheizen, dass die Pflanzen nicht überleben könnten.

Wie regulieren Sie die Temperaturen?

Feinfühlig: die Temperaturfühler. 

Rainer Braukmann: Wir haben im Gewächshaus eine computergesteuerte Klimasteuerung. Darüber öffnen wir zum Beispiel die Lüftungsfenster. Die schmalen Seitenfenster können wir bei Bedarf per Hand aufkurbeln. Aber: Wenn viele Fenster offen sind, wird die Luftzirkulation verstärkt und die Pflanzen trocknen aus. Wichtig ist, dass wir über die Außenlamellen per Hand 40 bis 50 Prozent der Wärmeeinstrahlung reduzieren.

Eine weitere Möglichkeit ist, die Pflanzen mit Wasser zu besprühen. Da muss man aber aufpassen: Nie auf aufgeheizte Blätter sprühen, sonst kann es Verbrennungen geben.

Was tun die Pflanzen eigentlich, wenn es ihnen zu warm wird?

Rainer Braukmann: Sie haben Schutzmechanismen. Zum Beispiel schließen sie die Spaltöffnungen in den Blättern, um den Wasserverlust zu reduzieren. Pflanzen mit großen Blättern klappen diese nach unten, um der Sonne weniger Angriffsfläche zu bieten. Jede Pflanze hat eine minimale und eine maximale Temperatur, die sie ertragen kann. Beim Kakao liegt der Bereich zwischen 18 und 37 Grad. Außerhalb dieses Bereiches kann es zu Schäden kommen. Bekämen wir einmal Frost ins Haus, wären 15 bis 25 Jahre Arbeit dahin.

Hat sich mit den wärmeren Wintern bei Ihnen etwas verändert?

Rainer Braukmann: Die Olivenbäume hätten wir an einem geschützten Ort fast draußen stehen lassen können. Oliven halten ein paar Nächte bis minus fünf Grad Kälte aus. 

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