Am 8. November jährte sich die Reichsprogromnacht zum 76. Mal

„Die Opfer hatten Namen“

Gemeinsame Andacht am Gedenkstein: Pfarrer Frieder Brack, Eva-Maria Leiber und Ingrid Breiding (von links) beim gemeinsamen Singen mit Dekanin Ulrike Laakmann (nicht im Bild). Foto: Goldmann

Witzenhausen. Die Novemberprogrome fanden in Witzenhausen nicht wie in anderen deutschen Städten vom 9. auf den 10. November statt, sondern bereits in der Nacht des 8. November 1938.

Die städtische Synagoge in Witzenhausen wurde geplündert und in Brand gesteckt. In der Steinstraße, wo die Synagoge stand, erinnert heute nur noch ein Gedenkstein an das ehemalige jüdische Gotteshaus.

Zu diesem Anlass trafen sich gut 30 Witzenhäuser am vergangenen Samstagabend an diesem Ort um gemeinsam den verfolgten und verstorbenen Juden im Nationalsozialismus zu gedenken.

„Wir beten für den Frieden zwischen Juden, Muslimen und Christen. Sie dürfen sich nicht gegenseitig das Lebensrecht absprechen“

„Die Opfer hatten Namen. Sie hießen Hecht, Katz oder Kugelmann“, erinnert Pfarrer Frieder Brack von der Evangelischen Kirchengemeinde die Anwesenden. Das Böse habe auch in Witzenhausen viele willige Täter gefunden. Es seien konkrete Menschen gewesen, Arbeitskollegen, Freunde und Nachbarn, die die jüdischen Mitbürger verraten hätten

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Syrien und im Irak betete Dekanin Ulrike Laakmann gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern, dass die Verwüstung und der Krieg, die das Land aufwühlen vergehen sollen. „Wir beten für den Frieden zwischen Juden, Muslimen und Christen. Sie dürfen sich nicht gegenseitig das Lebensrecht absprechen“, so die Dekanin.

Andacht seit über 20 Jahren

Bereits seit mehr als 20 Jahren lade der Ökumenische Arbeitskreis der Kirchen zur Andacht ein. Der niederdeutsche Folksänger Günter Gall aus Osnabrück trug zum Gedenken an das Leid der Juden das Lied „Schpil“sche mir a Lidele in Jiddisch“ vor. (pjg)

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