Gespräch mit dem Jugendrat Witzenhausen

Interview zur Diskussion zum Wahlrecht ab 16 Jahren

Einen Probe-Wahlzettel haben die beiden schon ausgefüllt: Henner Gädtke (17) und Leonie Zimmermann (17). Foto: Metzler

Witzenhausen. Die Bertelsmann-Stiftung wirbt dafür, das Wahlrecht auf 16 Jahre zu senken. Laut einer Umfrage des Allensbacher Institutes befürwortet das jeder zweite zwischen 16 und 17 Jahren, wohingegen mit dem Alter die Skepsis steigt.

Wir haben uns darüber mit Leonie Zimmermann vom Jugendrat Witzenhausen und Schüler Henner Gädtke unterhalten.

Was haltet Ihr von dem Vorschlag der Stiftung, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken? 

Leonie Zimmermann: Wir sind grundsätzlich dafür. Schließlich muss man der sinkenden Wahlbeteiligung entgegenwirken. Ich glaube, dass die Familie gut unterstützen und das Thema mit den Kindern diskutieren kann, so dass diese die Wahl ernst nehmen und ihr Kreuz bewusst setzen.

Wird in der Schule hinreichend über Politik informiert? 

Zimmermann: Wir haben zwei Stunden Politik pro Woche, unter anderem diskutieren wir aktuell über Kommunalpolitik und haben einen Probe-Wahlzettel ausgefüllt.

Henner Gädtke: Außerdem gibt es zu Beginn jeder Stunde die „aktuellen 15 Minuten“. Hier werden die Ereignisse der letzten Woche diskutiert.

Gibt es etwas, das man in der Schule besser machen kann? 

Zimmermann: Die Politik-Stundenzahl zu erhöhen halte ich nicht für sinnvoll. Es wirkt abschreckend, und diejenigen, die abschalten wollen, tun das eh. Interessanter wären politische Veranstaltungen in der Schule und Ausflüge, an denen man teilnehmen muss. Das ist bunter und motiviert die Schüler.

Wie kann man das Interesse der Jugendlichen an Politik steigern? 

Gädtke: Man muss ihnen deutlich machen, dass sie über Themen entscheiden, die sie direkt betreffen. Ein gutes Beispiel sind Vereine. Die Parteien treffen auch Entscheidungen darüber, was mit dem Fußballplatz passiert.

Das sagen die Jugendgruppen der Parteien:

Unter den Jugendgruppen der Parteien im Werra-Meißner-Kreis findet die Idee, Jugendliche ab 16 Jahren wählen zu lassen, grundsätzlich Anklang.

Die Junge Union hält die Herabsetzung dann für sinnvoll, wenn das Interesse der Betroffenen besteht, sich am politischen Geschehen aktiv zu beteiligen. Mitglied Petida Chomphoo bezweifelt jedoch, dass man alleine durch eine Senkung die Wahlbeteiligung nachhaltig verändern kann. Grundlagen müssen an Schulen vermittelt, der Politikunterrricht muss ausgebaut werden. Jugendparlamente sieht sie als eine Möglichkeit, mitzuwirken.

Auch die Grüne Jugend befürwortet den Vorschlag hauptsächlich. „Mit 16 zu arbeiten und den Führerschein zu machen ist in Ordnung, wählen nicht. Uns fehlt die Verhältnismäßigkeit“, sagt Felix Martin. Lediglich die Politikverdrossenheit der Jugend macht Mitglied Helena Pflingst Sorgen: „Ernsthafte und attraktive Möglichkeiten zur Teilhabe und können helfen, das Interesse zu wecken.“

Für die Jungen Sozialisten (Jusos) ist die Senkung längst fällig. Jugendliche machen schon mit 16 Jahren den Realschulabschluss. Viele fangen eine Ausbildung an und zahlen Steuern. „Wer Steuern zahlt, sollte nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte haben“, sagt Josua Florczak. Interesse kann laut ihm geweckt werden, wenn sich Parteien mehr für die Jugend öffnen.

Von den Jungen Liberalen haben wir keine Stellungnahme erhalten.

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