Eine erfüllte Zeit

Zeit für neue Pläne: Lothar Steinfeld war mit Leib und Seele Lehrer. Im August ließ sich der ehemalige Direktor der Witzenhäuser Johannisbergschule aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzen. Jetzt arbeitet er liegen gebliebene Korrespondenz auf, möchte ein Lied für seine zweijährige Enkeltochter komponieren und will sobald es geht wieder reisen. Foto: Bretzler

Witzenhausen. Nach 17 Jahren geht Lothar Steinfeld als Leiter der Johannisbergschule in Witzenhausen in Ruhestand.

Witzenhausen. Wenn Lothar Steinfeld sein bisheriges Leben in prägende Abschnitte einteilen müsste, fallen ihm sofort vier ein: seine Zeit als Lehrer an der Rhenanusschule in Bad Sooden-Allendorf, sein pädagogisches Austauschjahr in der australischen Kleinstadt Nuriootpa nahe Adelaide, seine vierjährige Dienstzeit an der deutschen Schule in Tokio und seine fast 17-jährige Tätigkeit als Leiter der Johannisbergschule in Witzenhausen.

Eine erfüllte, aber auch herausfordernde Zeit im Schuldienst, die für den 63-Jährigen früher als geplant zu Ende ging: Ende August ließ sich Lothar Steinfeld aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzen. „Wer Direktor ist, muss 110 Prozent geben, weniger reicht nicht.“ Weil das nicht mehr geht, geht er - obwohl ihm der Wechsel ins Private nicht ganz leicht fällt.

Pläne hat er trotzdem schon. „Ich möchte mich im Witzenhäuser Partnerschaftsverein engagieren und ein Lied für meine Enkelin komponieren.“ Auch reisen möchte er, sobald die Gesundheit es zulässt, und seine Kontakte im Ausland wieder auffrischen - bei einem persönlichen Besuch und nicht via E-Mail oder Skype. Bei John Castle aus Nuriootpa zum Beispiel. Bis heute verbindet Lothar Steinfeld mit seinem Kollegen, mit dem er 1985 Wohnung und Arbeitsplatz tauschte, eine enge Freundschaft. Von seinem Auslandsjahr, das er als „grandiose Erfahrung“ bezeichnet, profitiert heute bereits die nächste Generation. „Erst voriges Jahr war ein junger Kollege dieser Schule zu Besuch bei uns.“

Noch prägender waren die Jahre in Japan. Von 1993 bis 1997 unterrichtete Steinfeld an der deutschen Schule in Tokio-Yokohama. Frau und Sohn begleiteten ihn, denn „dass die Familie geschlossen geht, war mir wichtig“. Besonders die Sprache war eine Herausforderung, aber keine Barriere: Die Steinfelds traten als erste Ausländer in den örtlichen Tennisclub ein, wo sich auch ohne perfektes Japanisch tiefe Freundschaften entwickelten. Spannende Kontakte waren fast alltäglich. Bei einem Empfang in der Botschaft traf er Sänger Udo Lindenberg. Regisseurin Doris Dörrie referierte im Klassenzimmer über ihren Beruf. Zu seinen Schülern zählten die Kinder der ehemaligen Fußball-Nationalspieler Guido Buchwald und Pierre Littbarski, die damals in der japanischen Profiliga spielten.

Aufregend blieb es auch, als er 1999 Leiter der Johannisberg-Schule wurde. Denn es stellte sich heraus, dass das Gebäude mit dem Weichmacher PCB verseucht war und saniert werden musste. „Acht Jahre wurde gebaut, die Schüler mussten teilweise in Containern unterrichtet werden“, erzählt Steinfeld. Eine Herkules-Aufgabe, die ihm auch mal ein Machtwort abverlangte. Doch meist traf er mit innerer Ruhe und Geduld den richtigen Ton, nicht nur bei Absprachen mit der Bauleitung, sondern auch bei Konferenzen mit Kollegen und Gesprächen mit Eltern und Schülern. Die Funktion als Begleiter und Lenker wird ihm fehlen. Aber jetzt kommt etwas Neues. Und das schaut er sich ganz optimistisch an.

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