Im Einsatz für Skudde und Schlotterkämme

Marsch zum Marktplatz: Wie schon 2011 ziehen auch diesmal wieder die Poitou-Esel von der Deula zur Mitte der Stadt. Fotos: GEH/nh

Witzenhausen. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen feiert 35-jähriges Bestehen.

Sie kümmern sich um die Skudde, die Bergischen Schlotterkämme und Rheinischen Schecken. Diese Schafe, Hühner und Kaninchen sind nur einige der Tiere, für deren Fortbestehen sich die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) in Witzenhausen seit 35 Jahren engagiert. Am Sonntag, 16. Oktober, feiert sie ihr Jubiläum auf dem Marktplatz.

„Wir waren erfolgreich, weil keine Rasse ausgestorben ist und das Thema salonfähig wurde. Erhalten durch Nutzen kann alle mit ins Boot holen“, zieht GEH-Geschäftsführerin Antje Feldmann ein Resümee der vergangenen 35 Jahre.

Die Gesellschaft versucht, einem schleichenden Prozess entgegenzuwirken, der mit der Industrialisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Seitdem wurden zum Beispiel Rinder statt vielfältig für Arbeit, Milch und Fleisch genutzt zu werden immer stärker spezialisiert auf reine Milch- oder Fleischrassen.

Dabei haben gerade die alten Rassen viele Vorteile. „Wir nutzen mit unseren Tieren Standorte, die sonst keiner nutzt“, erklärt Feldmann. Mit Hochleistungstieren könnten zum Beispiel Heideflächen nicht bewirtschaftet werden. In diesem Zuge arbeite die GEH auch mit Naturschutzverbänden zusammen, um vielfältige Kulturlandschaften zu erhalten. Und um zu klären: Für welche Landschaft ist welches Tier geeignet? „Das ist kein Luxus, sondern eventuell ein Genpool, den wir noch nicht kennen“, erklärt Feldmann. So könnten zum Beispiel noch unbekannte Proteine in der Milch der alten Rassen für Allergiker interessant sein.

Zuchtberatung, Erhaltungs-Programme und auch mal eine Rettungsaktion, wenn ein Hof kurzfristig aufgelöst werden muss, zählen ebenso zu den Aufgaben der GEH wie die Vermittlung von Kontaktadressen. Die Vernetzung macht sich bezahlt. So fanden sich vom Vogelsberger Roten Höhenvieh zum Beispiel nur noch Kühe. Allerdings gab es von einem Bullen namens Uwe noch 70 eingefrorene Spermaportionen, so dass nachgezüchtet werden konnte, berichtet Feldmann.

Aufwind bekam die GEH 1992 durch die UNO-Konvention für biologische Vielfalt, die sich zwar hauptsächlich um Wildtiere und -pflanzen drehte, aber auch von Menschen gezüchtete Tiere als schützenswert deklarierte. Hier zahlte sich laut Feldmann aus, dass die GEH zehn Jahre am Thema arbeitete. Bereits Anfang der 1990er-Jahre gründete sie eine Stiftung zur Arterhaltung in Europa, dazu kommen Arche-Projekte, bei denen die GEH beispielsweise mehreren Landwirten hilft, eine gemeinsame Vermarktung aufzubauen.

Für die Zukunft ist geplant, „die Vielfalt in der Landwirtschaft zu platzieren“, so Feldmann. Nicht durch Intensivställe, sondern durch Vielfalt werde die Landwirtschaft erhalten.

Mehr zur Geschichte der GEH und dem Programm zum Jubiläum lesen Sie in der gedruckten Mittwochs-Ausgabe der HNA.

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