Faraidon Zakhailwal und Bilal Jaberkhel

Ohne Eltern aus Afghanistan geflüchtet: Sie hoffen auf ein gutes Leben

Sind beide allein ohne Eltern aus Afghanistan geflüchtet: Faraidon Zakhailwal (links) und Bilal Jaberkhel leben seit sechs Monaten im Kinder- und Jugendheim Burgenhof in Witzenhausen und spielen gern Schach.
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Sind beide allein ohne Eltern aus Afghanistan geflüchtet: Faraidon Zakhailwal (links) und Bilal Jaberkhel leben seit sechs Monaten im Kinder- und Jugendheim Burgenhof in Witzenhausen und spielen gern Schach.

Witzenhausen. Aktuell leben 106 Kinder und Jugendliche im Werra-Meißner-Kreis, die ohne Familie aus ihrer Heimat geflohen sind. Wir haben zwei von ihnen getroffen.

Sie kommen beide aus Afghanistan, flüchteten aus ihrer Heimat vor den Taliban. Ihre gefährliche Reise führte sie durch die Länder Iran, Türkei, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich - bis sie letztendlich ihr Ziel Deutschland erreichten. Die Rede ist von Bilal Jaberkhel (15) und Faraidon Zakhailwal (18). Die beiden Jugendlichen kamen allein, ohne Familie in ihre neue Heimat. Seit sechs Monaten leben sie als unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) im Kinder- und Jugendheim Burgenhof in Witzenhausen.

Insgesamt wohnen vier Jugendliche aus Afghanistan und Syrien dort. Zwei weitere sind in einer Wohngruppe in Werleshausen untergebracht. Aufgrund des hohen Bedarfs wurde jetzt eine zweite Wohngruppe in Witzenhausen eröffnet, in der seit vergangener Woche 16 umA leben.

„Ich durfte nicht mehr in die Schule gehen, weil die Taliban das nicht wollten. Da haben mich meine Eltern nach Deutschland geschickt“, sagt Jaberkhel. Die Flucht aus seinem Heimatort Jalalabad, der knapp zweieinhalb Autostunden von der Hauptstadt Kabul entfernt ist, dauerte zwei Monate und 15 Tage. „Einmal musste ich 24 Stunden am Stück laufen und hatte nichts zu trinken“, erinnert sich der 15-Jährige. Zakhailwal hat während seiner dreimonatigen Flucht ähnliche Erfahrungen gemacht: „In der Türkei und in Ungarn bekam ich keine Hilfe. Ich hätte eigentlich Medikamente gebraucht.“ In Deutschland sei das ganz anders gewesen. Er sei bei seiner Ankunft in München von den Menschen sehr freundlich begrüßt worden.

Von dort aus wurden die beiden Jugendlichen in eine Erstaufnahmeeinrichtung nach Gießen gebracht. Zakhailwal lebte vier Monate dort, Jaberkhel drei Monate. Kontakt zu ihren Familien haben die beiden Jugendlichen nicht. Jaberkhel konnte seinem Vater nur kurz Bescheid geben, dass er in Gießen angekommen ist. Dann brach die Verbindung ab.

Nach einem viermonatigen Deutschkurs in Kassel besuchen die beiden seit einem Monat die Beruflichen Schulen Witzenhausen. Am meisten mache ihnen das Arbeiten mit Metall und Holz Spaß.

Der 18-jährige Zakhailwal hat bereits in seiner Heimatstadt Kunduz als Tischler gearbeitet und möchte dies auch hier in Deutschland tun. Jaberkhel will studieren, er interessiert sich für den Beruf Lehrer. „In Afghanistan gab es jederzeit Kämpfe zwischen der Polizei und den Taliban. Ein Leben dort ist unmöglich“, sagt Zakhailwal. Er erhofft sich vor allem ein friedliches Leben in Deutschland.

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