Immer weniger Telefonzellen werden gebraucht: Demontage im Landkreis

Haben ausgedient: Statt ein Handy zu benutzen, probiert WR-Redakteurin Constanze Wüstefeld eine öffentliche Telefonzelle aus. Foto:  Faust
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Haben ausgedient: Statt ein Handy zu benutzen, probiert WR-Redakteurin Constanze Wüstefeld eine öffentliche Telefonzelle aus.

Werra-Meissner. Genutzt werden sie meist nur noch, wenn der Handyakku leer ist oder der Empfang streikt. Immer mehr Telefonzellen der Telekom werden demontiert. An einigen Stellen helfen freistehende Basistelefone im Notfall weiter.

Bundesweit sind nur noch 30.000 öffentliche Telefone in Betrieb. Vor zehn Jahren waren es nach Angaben der Bundesnetzagentur noch 110.000. Wie viele davon im Kreis noch genutzt werden, weiß niemand so ganz genau.

„Wir halten keine regionalen Daten mehr für die externe Kommunikation vor“, sagt Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney auf Nachfrage. „Wenn der Umsatz einer Telefonzelle im Monat weniger als 50 Euro beträgt, ist sie in der Regel nicht mehr rentabel“, heißt es. Dann wird ein Abbau angestrebt. Allerdings können Kommunen Widerspruch einlegen, falls ein Grund besteht. In Betrieb würden Telefonzellen laut McKinnes überall dort bleiben, wo es „wirtschaftlich Sinn macht“, also zum Beispiel an Bahnhöfen oder Flughäfen.

Lage im Kreis oft ähnlich

Im Stadtgebiet von Eschwege gibt es aktuell noch zehn öffentliche Fernsprecher, unter anderem am Marktplatz oder am Stad. Drei Exemplare sollen aber noch in diesem Jahr abgebaut oder umgerüstet werden.

In Wanfried, Sontra, Neu-Eichenberg und Großalmerode gibt es jeweils nur noch eine einzige Möglichkeit im Bereich der Kernstädte, öffentlich zu telefonieren. Auch in Witzenhausen ist der Rückgang der markanten, viereckigen Häus-chen offensicht-lich. Ein Notfall-Telefon gibt es hier noch am Marktplatz. In den Gemeinden Berkatal, Ringgau und Weißenborn gibt es keine öffentlichen Telefonzellen mehr. Auch in Herleshausen wurde die letzte vor zweieinhalb Jahren beseitigt.

Eine Telefonzelle sucht man mittlerweile auch in der ganzen Gemeinde Wehretal vergeblich. „Telefonzellen stellen heutzutage eher einen Wetterschutz oder eine nostalgische Erscheinung dar“, sagt Bürgermeister Jochen Kistner.

Ähnliches berichtet auch der Verwaltungschef der Gemeinde Meißner, Friedhelm Junghans: „In den vergangenen Jahren sind alle Telefonzellen wegen fehlender Auslastung abgebaut worden. Zu Einschränkungen führte das aber nicht, da fast jeder Haushalt heute mit einem Handy ausgestattet ist.“ Im Ortsteil Wellingerode wollte die Telekom bereits in den neunziger Jahren die einzige öffentliche Telefonzelle abbauen. Daraufhin haben einige Bürger diese übernommen und betreiben sie seitdem privat.

Eine Zelle für Zuhause

Wer es mag, kann eine ausrangierte Telefonzelle kaufen. Im Reparaturlager der Telekom bei Brandenburg lagern sie zu Tausenden ein. Interessenten können sich unter info@telekom.de melden. Kosten je nach Zustand und Modell: 400 bis 600 Euro. Plus Versand.

Bis Redaktionsschluss keine Auskunft geben konnten die Kommunen Hessisch-Lichtenau, Bad Sooden-Allendorf, Waldkappel und Meinhard.

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