Landau-Revisionsprozess: Angeklagter meldet sich krank

Kassel/Grossalmerode. Der Termin der Revisionsverhandlung im Prozess um eine Auseinandersetzung zwischen dem CDU-Landtagsabgeordneten Dirk Landau und dem Großalmeröder Siegbert Stenzel (Die Linke) ist geplatzt.

Stenzel hatte sich am Donnerstag beim Landgericht Kassel krank gemeldet. Aus „gesundheitlichen Gründen“, wie Vorsitzender Richter Liebermann aus dem am Morgen eingereichten ärztlichen Attest zitierte. „Ein ganzer lanter Verhandlungstag, und der ist jetzt futsch“, seufzte der Richter angesichts der Terminnot am Gericht. Im April 2014 hatte das Amtsgericht Eschwege Stenzel wegen Körperverletzung und Beleidigung zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt.

Auch die ersten der acht zur Berufungsverhandlung geladenen Zeugen waren am Donnerstag umsonst ins Landgericht gekommen, darunter der geschädigte CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Landau (Bad Sooden-Allendorf) und seine Ehefrau. Diese war bei dem handgreiflichen Wahlkampf-Zwischenfall am 3. August 2013 vor einem Einkaufszentrum mitten in Großalmerode dabei gewesen.

Vor dem Eschweger Amtsgericht hatte sie in erster Instanz bezeugt, dass Landau von Stenzel am Hals gewürgt und verbal attackiert worden sei. Der CDU-Mann erstattete Strafanzeige gegen seinen Kontrahenten. Der wiederum hatte vor dem Amtsgericht dagegengehalten, Landau habe Wahlplakate der Linken beschädigt und an deren Stelle CDU-Plakate aufgehängt.

Das Fernbleiben des Angeklagten ändert indes nichts am weiteren gerichtlichen Nachspiel des Wahlkampf-Zwischenfalles. Auch die Staatsanwaltschaft war nach dem erstinstanzlichen Urteil in Revision gegangen. Staatsanwalt Wolfgang Göb hielt gestern an der Berufung seitens der Anklage fest. Die Begründung „aus gesundheitlichen Gründen“ ohne nähere Nennung einer Erkrankung im Attest sei keine ausreichende Erklärung dafür, dass der Angeklagte nicht verhandlungsfähig sei, mithin also keine Entschuldigung, dass er der Verhandlung fernblieb, befanden sowohl Richter Liebermann als auch Staatsanwalt Göb. Das Recht des Angeklagten auf Berufung wurde vom Gericht verworfen, außerdem hat er die Verfahrenskosten zu tragen, so das gestrige Urteil.

Unberührt davon wird von Amts wegen ein neuer Termin für die Berufungsverhandlung angesetzt werden. Zu der kann ein Angeklagter nötigenfalls auch polizeilich vorgeführt werden, sollte das Gericht dies anordnen. (ptr)

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