Stecker ziehen und weiter: Zahl der Wohnmobil-Freunde im Kreis steigt

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Mag die Unabhängigkeit: Beate Oetzel vor ihrem 2014 gekauften Wohnmobil.

Witzenhausen. Die Zahl der Wohnmobil-Besitzer im Werra-Meißner-Kreis nimmt zu. Wir haben eine begeisterte Wohnmobilistin aus Witzenhausen gefragt, warum diese Art des Reisens so schön ist.

Beate Oetzel und ihr Mann wollten sich einen Traum erfüllen, bevor sie Rentner sind. Also haben sie sich vor zwei Jahren ein Wohnmobil gekauft, „damit wir auch noch etwas davon haben“. Seit zwei Jahren reisen sie mit ihrem rollenden Zuhause durch die Landen. Mit dem Virus sind sie aber voll infiziert.

Mit diesem Verlangen stehen die Oetzels nicht alleine da. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland 27 182 Wohnmobile verkauft. Fast soviel wie in ganz Hessen zugelassen sind und so viele wie nie zuvor. Die positive Konjunkturlage bildete laut Caravaning Industrieverband (CIV) das Fundament für die herausragende Entwicklung der deutschen Caravaningindustrie, die 2015 erneut einen Rekordumsatz erzielte. So wurde der Absatz mit Neufahrzeugen, Gebrauchtfahrzeugen und Fahrzeugzubehör um 14,4 Prozent auf einen neuen Bestwert von insgesamt 7,57 Milliarden Euro getragen. Die Hersteller von Reisemobilen und Caravans verzeichneten mit einer Steigerung um 23,7 Prozent einen neuen Höchstwert von 4,02 Milliarden Euro beim Neufahrzeuggeschäft.

Wie die meisten Wohnmobil-Besitzer schätzen auch die Oetzels die Flexibilität des Reisens. „Wir ziehen den Stecker und fahren weiter“, sagt Beate Oetzel. Spontan können sie auch ihren Urlaub verschieben oder einfach mal einen Wochenendausflug ohne lange Planungen in Angriff nehmen. „Manchmal reicht auch ein Ausflug an den Werratalsee nach Eschwege, um dem Alltag zu entfliehen.“

Wohnmobilisten sind häufiger pro Jahr als andere Urlauber unterwegs: Mehr als 90 Prozent verreisen zweimal und öfter für eine fünf und mehr Tage dauernde Reise. Mit anderen Wohnmobilisten komme man schnell in Kontakt, weil man sich viel draußen bewege. „Es ist meistens ein lockerer freundlicher Umgang“, sagt Oetzel. In den vergangenen zwei Jahren haben sie und ihr Mann schon einige Stellplätze kennengelernt.

Die Wohnmobilisten verlassen sich dabei häufig auf Empfehlungen Gleichgesinnter. Per Internet oder App geht das schnell. Rund 20 Möglichkeiten gibt es im Kreis (siehe Grafik). Die Infrastruktur werde immer besser. Nur ihre Heimatstadt Witzenhausen habe Nachholbedarf. Deswegen hatte die Stadtverordnete Oetzel sich im vergangenen Jahr im Parlament für einen attraktiven Stellplatz am ehemaligen Freibad stark gemacht. Trotz guter Zahlen und Prognosen folgten ihr die anderen Abgeordneten nicht mehrheitlich. „Leider konnte ich mich nicht durchsetzen. Ich glaube, wir haben damit eine Chance vertan“, sagt Beate Oetzel. Den Spaß am Reisen mit dem Wohnmobil hat ihr die demokratische Niederlage nicht genommen. Zumindest in der Familie hat sie Erfolg: Die Kinder hat sie mit dem Wohnmobil-Virus schon angesteckt.

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