Mit Theater gegen Klimakatastrophe

„So heiß gegessen wie gekocht“: Mutter Ulrike Querfeld-Hüsch (Elke Schuster) tröstet Tochter Doris Querfeld (Natascha Menzel) mit Koch Wolfgang Hack (Dimo Wendt) und Küchenhilfe Ibrahim Mahmoud Nyombe (Rondo Beat), Szene der Aufführung der Berliner Compagnie am Samstag in Witzenhausen. Foto: Haeseler

Die Berliner Schauspielgruppe Compagnie zeigte in Witzenhausen das politische Stück „So heiß gegessen wie gekocht". Die Meinungen darüber waren hinterher geteilt.

Witzenhausen. Die Kulisse ist auf das Wesentliche reduziert. Einzig ein paar Alu-Rollcontainer mit Papptellern und Alu-Schalen sind zu sehen. Schon zu Beginn des Theaterstücks „So heiß gegessen wie gekocht“, das am Samstag in der Turnhalle Südbahnhofstraße von der Berliner Compagnie aufgeführt wurde, merkt man: Hier soll eher eine Botschaft als eine Show im Vordergrund stehen.

Schauplatz ist ein kleines Gasthaus in einem Örtchen irgendwo in Baden-Württemberg, ein Familienbetrieb. Mutter Ulrike ist Besitzerin und Wirtin, Vater Norbert Chefkoch, Sohn Hansi Koch und Tochter Doris hilft neben dem Studium als Bedienung aus. Die Familie sieht sich als politisch linksgerichtet an. Vervollständigt wird das Küchen-Team durch Koch Wolfgang Hack, einem alleinstehenden Junggesellen, der eher eine angepasste politische Meinung vertritt, und Küchenhilfe Ibrahim Mahmoud Nyombe, ein Flüchtling aus Afrika.

In der Küche herrscht Aufruhr, erst wegen eines großen Geschäftsessens, dann wegen des Plans, der von der „Gesellschaft“ geschmiedet wird: Das Gasthaus soll aufgekauft und abgerissen und direkt daneben ein Kohlekraftwerk gebaut werden. Nun geht es nicht nur um die direkten Folgen für die Familie, sondern auch um die Konsequenzen eines solchen Vorhabens für die Umwelt und die Menschheit.

Das Team rebelliert, die Küche wird zum Widerstandsnest einer Bürgerinitiative. Nicht immer geht alles legal zu, es gibt Sabotage-Versuche an Baustellenfahrzeugen, eine Verhaftung und - ein glückliches Ende. Der Bau des Kohlekraftwerkes wird gestoppt und Sohn Hansi freigesprochen. Und Ibrahim geht zurück nach Afrika, um dort die Energiewende anzutreiben.

Viele Themen werden in diesem 90-minütigen Stück angesprochen: von Energiewende über Flüchtlingspolitik bis zu Fleischkonsum. Gerade mit der Diskussion über Windkraftanlagen zeigt das Stück einige Parallelen zur Region auf. Das Ganze wird aufgelockert durch musikalische Einlagen mit Küchenutensilien als Instrumenten, mit Gesang und Choreografien der Schauspieler. Doch auch in den Liedern geht es um ernste Themen und viele Informationen.

Eine gute und sinnvolle Idee steckt hinter dem Theater, doch leider fühlt man sich als Zuschauer etwas erschlagen von so vielen Informationen, in denen auch die witzige und gut durchdachte Handlung verloren geht.

Die langen, anspruchsvollen Textpassagen beweisen das Können der Schauspieler, sind aber für ein gemischtes Publikum zu überladen und kompliziert formuliert. Das Stück hält viele nützliche Tipps und Infos bereit, wie die Vielfalt der vegetarischen und veganen Küche, wie man Energie selbst erzeugen kann und wie wichtig das Engagement in der Klimapolitik ist. Da sollte man besser auf Qualität statt auf Quantität setzen.

Die Meinung des Publikums war hinterher geteilt. Die einen lobten „die kämpferische Botschaft“, während andere „etwas Neues“ vermissten oder die Inhalte „zu ernsthaft und wie aus dem Lehrbuch“ beschreiben.

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