Gemeinsames Forschungsprojekt 

Uni Kassel und Göttingen untersuchen Megastädte

Hier wird viel gebaut: Bangalore ist die am schnellsten wachsende Stadt Indiens. Welche Folgen die rasante Entwicklung für Stadt und Umland hat, wollen jetzt Forscher der Universitäten Kassel und Göttingen gemeinsam herausfinden. Foto: DFG-Forschergruppe/nh

Witzenhausen / Kassel. Die Universitäten Kassel und Göttingen forschen jetzt gemeinsam zu Megastädten. Als Beispiel im Forschungsprojekt dient die indische Stadt Bangalore. 

Wie ändert sich die Arbeit in der Landwirtschaft, wenn mehr Menschen in riesige Städte abwandern - die dann mehr Lebensmittel brauchen? Welche Folgen hat das Wachstum von Megastädten mit über zehn Millionen Einwohnern für die Umwelt? Und wie wird das Geld investiert, das die abgewanderten Landbewohner in ihre Heimatregion schicken? Das wollen Wissenschaftler beider Universitäten jetzt am Beispiel der indischen Megastadt Bangalore herausfinden.

Zu diesen Themen habe es bislang nur Einzelstudien gegeben, erklärt Projektkoordinatorin Dr. Ellen Hoffmann. Jetzt arbeiten erstmals Forscher verschiedener Fachdisziplinen an einer gemeinsamen Datengrundlage. Bodenkundler, Tier- und Pflanzenexperten, Agrarökonomen, -soziologen und Geographen blicken von verschiedenen Seiten auf eine der am schnellsten wachsenden Städte Indiens. Sie wollen im Kern drei Dinge herausfinden:

• Wie funktioniert so eine riesige Stadt im Zusammenspiel mit ihrem Umland?

• Welche Entwicklungen sind besonders kritisch, welche besonders sinnvoll und wie bedingen sich diese Entwicklungen gegenseitig?

• Welche Folgen haben die Veränderungsprozesse für die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen, auf ihre „Dienstleistungen“ für die Menschen?

Man gehe davon aus, dass einige der Ergebnisse der Grundlagenforschung aus Bangalore auf andere Megastädte in Asien, aber auch auf Ballungsräume in Europa - wie den Großraum Paris oder das Ruhrgebiet - angewendet werden können, sagt Hoffmann. Im besten Fall können Städte dann Fehlentwicklungen vermeiden und sinnvolle Landnutzungsansätze übernehmen.

Bis dahin ist es ein weiter Weg. In einer groß angelegten Feldforschung sollen ab April die nötigen Daten gesammelt werden: Die Wissenschaftler werden unter anderem ermitteln, wie sich mit steigender Verstädterung Ernährungs- und Konsumgewohnheiten, Anbaumethoden und Landnutzung ändern und welche ökologischen Folgen das hat (etwa wenn Teiche zum Schaffen von Wohnraum trockengelegt werden). Sie prüfen, ob und wo die Stadt ungezügelt oder geplant wächst, und nehmen Konflikte um den Zugang zu Land unter die Lupe. Zudem wird untersucht, wann städtische und stadtnahe Ökosysteme besonders geschützt werden müssen, weil sonst wirtschaftlicher Schaden entsteht.

„Die Doktoranden werden in den ersten zwei Jahren zwischen fünf und zehn Monaten pro Jahr in Indien forschen“, sagt Prof. Dr. Andreas Bürkert, der die DFG-Forschergruppe mit Prof. Dr. Stephan von Cramon-Taubadel (Göttingen) leitet. 16 Nachwuchswissenschaftler werden in Teams mit ihren 26 indischen Doktorandenkollegen arbeiten. Das erleichtere die Logistik und helfe bei Verständigungsproblemen, so Bürkert. Bis zum 31. Januar kann man sich auf 16 Promotionsstellen bewerben.

Informationen: http://zu.hna.de/DFG2432

Hintergrund: DFG finanziert neue Forschergruppe

Die Arbeit in Indien wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 3,7 Mio. Euro finanziert. Die Wissenschaftler aus Kassel und Göttingen arbeiten mit Kollegen der James Cook Universität (Australien) und der Universität für Agrarwissenschaften in Bangalore sowie weiteren indischen Forschungseinrichtungen zusammen. Die indischen Partner steuern 1,2 Mio. Euro bei. Das Vorhaben setzt sich aus elf Teilprojekten zusammen. Insgesamt sind von deutscher Seite gut 40 Personen beteiligt. Es wird eigens eine gemeinsame Professur mit den Dienstorten Witzenhausen und Göttingen geschaffen werden.

Weil es in Indien derzeit ein besonders starkes Wachstum von Megastädten gibt, wolle man laut Projektkoordinatorin Dr. Ellen Hoffmann dort forschen. Gleichzeitig sollen die Kontakte zu indischen Wissenschaftlern vertieft werden. Die Stadt Bangalore biete die besten Bedingungen für das Vorhaben.

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