In Witzenhausen wurden Blumen auf Gräber gelegt

Auf dem Jüdischen Friedhof: (von links) Bürgermeisterin Angela Fischer, Pfarrer Hans-Jürgen Wenner und Pfarrer Frieder Brack gedenken der Verstorbenen. Foto: Keller

Witzenhausen. Zum Volkstrauertag setzten Vertreter aus Politik und Kirche ein Signal gegen das Vergessen.

Der Volkstrauertag ist als Gedenktag unverzichtbar. Das bekräftigen Bürgermeisterin Angela Fischer und Pfarrer Frieder Brack gestern bei einer Veranstaltung auf dem Friedhof in Witzenhausen. Fischer hält es mit dem Motto des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge, Versöhnung über Gräbern zu üben. „Das ist ein hoher Anspruch. Versöhnung bekommen wir nicht geschenkt“, sagte die Verwaltungschefin.

Als Tag gegen das Vergessen würdigte Pfarrer Brack den Volkstrauertag. Beide Weltkriege hätten unvorstellbares Leid über die Menschen Europas und darüber hinaus gebracht und seien tief in ihre Herzen eingedrungen.

Aus der Trauer sei mit dem zeitlichen Abstand ein Ritual geworden, aber mittlerweile habe sich der Horizont erweitert. Konflikte dürften nicht durch Kriege gelöst werden, sondern politisch. Dazu gehöre es, dass man weltweit miteinander im Gespräch bleibe. Insoweit sei das Gedenken am Volkstrauertag ein Signal gegen das Vergessen. Es sei eigentlich nicht nachvollziehbar, dass es an vielen Punkten der Welt erneut Kriege gebe, so in der Ukraine, Syrien, im Iran und Afghanistan.

Gedenken sei unteilbar, es müsse allen Opfern gelten. Deshalb sei es seit 20 Jahren guter Brauch in Witzenhausen, an den Kriegsgräbern auf dem Städtischen Friedhof und auf dem Jüdischen Friedhof Feiern auszurichten.

Die Rosen, die Schüler der Johannisbergschule und Jugendliche der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinden auf den Gräbern am Frauenmarkt niederlegten, sollen auch dazu ermahnen, jener zu Gedenken, die bei uns Zuflucht vor Krieg und Verfolgung suchen. Von ihren Schicksalen müsse man lernen.

Umrahmt wurde die Feier vom Männerchor 1868 unter der Leitung von Manfred Grützner und vom Evangelischen Bläserkreis unter Sebastian Selig. Auf dem jüdischen Friedhof gedachte der katholische Geistliche Hans-Jürgen Wenner der jüdischen Mitbürger Witzenhausens. Er zitierte Worte des Propheten Jeremia. Nach altem Brauch waren die Teilnehmer aufgerufen, Steine auf die Grabsteine der Verstorbenen zu legen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.